Kabarett nah am Zeitgeist

Frankfurt - Seit ein paar Jahren erleben Kabarett und Comedy einen Boom, doch echtes Profil und das Talent, in die Fußstapfen von Altmeistern wie Dieter Hildebrandt, Thomas Freitag oder Bruno Jonas zu treten, zeigen nur ganz wenige. Florian Schroeder ist so einer. Von Maren Cornils

Auch wenn er optisch eher als smarter TV-Moderator durchgeht. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen.

Der Lörracher versteht es nicht nur, die Gefühlslage der Generation „irgendwas mit Medien“ humoristisch zu verarbeiten. Er ist auch brillant darin, Politiker vorzuführen und mit viel Sarkasmus die gesellschaftspolitische Lage zu schildern. Sein neues Programm „Offen für alles“, das er in der Frankfurter „Käs“ vorstellte, haut in diese Kerbe.

Von den Neonazis zu Berlusconi ist es für ihn nur ein kleiner Schritt, und so stürzt sich Schroeder, wie könnte es anders sein, auf die Euro-Krise, angereichert mit Politikerparodien. Wären „Lafoknecht“ ein geeigneter Ersatz für Hunziker und Gottschalk? Was haben Bushido und Thilo Sarrazin gemeinsam? Fragen über Fragen, die Schroeder stellt – und im selben Atemzug beantwortet. Seitenbacher-Spot, Bachelor-Studium und Xavier Naidoo („der singende Wachturm“) – Schroeder bedient sich beim Zeitgeist, wobei er gestehen muss, selbst vom Apple-Hype infiziert worden zu sein: „In den Ferien fahre ich auf ein i-Land. Und wenn ich wieder zu viel Geld für i-Gedöns und Apps ausgegeben habe, nur noch in die i-fel.“ Spitzenkabarett – pointenreich, ironisch und lebensnah, ohne trivial zu sein.

Quelle: op-online.de

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