Kabbeln und Babbeln

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Macht bei kleinen Zuschauern mächtig Eindruck: Susanne Anders als auf Stelzen stöckelnde Windliese.

Frankfurt - Erst vor einem Jahr hatte sich das Papageno Kindertheater Gerdt von Bassewitz’ „Peterchens Mondfahrt“ angenommen, in diesem Jahr nun lädt das Volkstheater kleine und große Gäste anlässlich seiner traditionellen Weihnachts-Inszenierung dazu ein, Maikäfer Sumsemann und seine beiden Menschenfreunde auf der langen Reise durch das nächtliche Weltall zu begleiten. Von Maren Cornils

Maikäfer Sumsemann (Rüdiger Schade) wird seines Lebens nicht mehr froh, seit sein sechstes Beinchen abgehakt und vom bösen Mondmann auf den Mond gebracht wurde. Als er eines Nachts von den Kindern Pit (Robin Köhler) und Anne (Greta Carl) entdeckt wird, klagt er ihnen sein Leid, und ehe sich Sumsemann versieht, sind seine beiden Helfer und er auch schon auf dem Weg zum fernen Himmelsgestirn.

So schnell sollen sie allerdings nicht auf dem Mondberg ankommen, denn erst machen sie beim gestressten Sandmann (Detlev Nyga) Station, dann legen sie eine Pause auf dem Fest der schillernden Nachtfee (Sabine Roller) ein, um dort allerlei seltsamen Himmelsbewohnern und ihren persönlichen Sternen zu begegnen. Am Ende bewältigen sie dank Mondkanone auch die letzte Etappe ihrer Reise und zeigen dem fiesen Mann im Mond, dass Gerechtigkeit und Freundschaft am Ende eben doch siegen.

Steffen Wilhelm hat den Kinderbuchklassiker aus dem Jahr 1912 ordentlich gestrafft und auf wenige Szenenbilder reduziert. Dass allerlei Figuren den Kürzungen zum Opfer fielen, auf die Kenner des Buches nur ungern verzichten, ist schade und nimmt dem Stück ein wenig von seiner märchenhaften Aura. Dafür punktet Wilhelms Inszenierung mit witzigen Modernisierungen. So wird aus dem klassischen Eismax ein Eis-Mario (Thomas Koob), der Italienisch parlierende Eisverkäufer rollt auf Inlinern flott durch die Kulisse.

Beeindruckend und äußerst fantasievoll sind auch die Kostüme. Insbesondere Susanne Anders als auf atemberaubend hohen Stelzen stöckelnde Windliese sorgt mit ihrem roten Wallehaar bei den Kindern für viele Ohs und Ahs. Deren Herz gehört indes Pit und Anne, den streitsüchtigen Geschwistern, die den Hauptteil der Vorstellung bestreiten und sich in bester hessischer Mundart durchs Weltall kabbeln und singen. Ihr gepanzerter Freund indes bleibt bei all den schillernden Gestalten und dem dominanten Duo etwas blass und flüchtet sich, ganz der literarischen Vorlage entsprechend, lieber in den Schatten seiner beiden Retter.

Noch bis 26. Dezember. Karten unter Telefonnummer 069 288598.

Quelle: op-online.de

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