Kälte und Finsternis

Zwei Wohnwagen in verschneiter Berglandschaft. Sturm pfeift den Zuschauern im Dolby-Surround-Sound um die Ohren. Aus von der Bühnenarchitektur geschaffenen Situationen entwickeln Gabriela Carrizo und Franck Chartier, Kern des Brüsseler Tanztheaters Peeping Tom, ihre Stücke. Von Stefan Michalzik

„32, rue Vandenbranden“, als deutsche Erstaufführung im Frankfurter Mousonturm zu sehen, zeigt eine kleine Gemeinschaft moderner, aus europäischen und asiatischen Kulturen stammender Menschen unter archaischen Bedingungen.

Der Soundtrack, den die Komponisten Juan Carlos Tolose und Glenn Vervliet geschaffen haben, ist polystilistisch. Tänzerin Eurydike De Beul singt gleichermaßen Bellinis Norma-Arie „Casta Diva“ wie Pink Floyds „Shine On You Crazy Diamond“.

Wie im Film „The Ballad of Narayama“ von Shohei Imamuras, dem Quell der Inspiration, wird das Individium im Spannungsfeld der Gemeinschaft gezeigt. Es gibt Momente der Innigkeit, aber auch viel Härte im Umgang. Das Bedürfnis nach Nähe bleibt uneingelöst. Die Welt dieser Menschen ist extrem begrenzt. Irgendwo muss es etwas Besseres geben.

Das Stück lässt sich Zeit, ohne über die 80 Minuten hinweg lang zu werden. Seinem Gehalt nach ist es düster. Angelehnt an einen klassischen Kunstbegriff aber strahlt das Stück eine lichte Poesie und Heiterkeit aus.

Quelle: op-online.de

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