Kafka im Zeitalter des Computers

Die gefühlt meiste Zeit des Lebens verbringt der Mensch bei der Arbeit. In Büchern ist das anders, obwohl Terézia Mora Werke nennt, die sich dem Berufsalltag widmen, etwa Wilhelm Genazinos „Abschaffel“-Trilogie oder Walter E. Von Markus Terharn

Richartz’ „Büroroman“ aus den 70er Jahren. In ihrem neuen Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ bringt die Schriftstellerin das Format konsequent in die Gegenwart – Globalisierung ist das Stichwort. Bei der Vorstellung im Frankfurter Literaturhaus gibt’s dafür höchstes Lob von Hausherrin Maria Gazzetti und viel Beifall vom interessierten Publikum.

Aus wechselnder Perspektive erzählt Mora acht Tage im Dasein von Darius Kopp, der für ein US-Unternehmen im deutschsprachigen Raum und Osteuropa drahtlose Netzwerke vertickt. Obwohl es also um Kommunikation geht, erweist sich diese als schwierig. Wenn Kopp versucht, unter Umgehung des unfreundlichen britischen Europa-Chefs den jovialen Boss in Kalifornien zu kontaktieren, kriegt er Ärger; sofern er überhaupt jemanden erreicht. Seit wann ist es seine Aufgabe, 40 Millionen Euro Außenstände von einem Kunden einzutreiben? Und was tut er, wenn dieser, ein Grieche oder Armenier, stattdessen 40 000 Euro in bar abliefert, zwecks persönlicher Verwendung?

Ja, das mutet den abhängig Beschäftigten von heute grotesk an. Dass parallel die Liebesehe des Protagonisten mit der hypersensiblen Flora in die Krise gerät, ist nur folgerichtig. Eine kafkaeske Situation hat Mora ins Computerzeitalter überführt. Ihre Sprache entfaltet einen Sog, dem sich wohl niemand entziehen kann. Im Gespräch verrät sie ihre Recherchequelle: Ihr Gatte ist Informatiker, wie Kopp. Kein Wunder, dass sie Sympathie für ihre Figur empfindet, obwohl Mora versichert, dass diese ihr sehr fremd sei.

Quelle: op-online.de

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