Kaiserin im Kerker

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In Elisabeths berühmtem „Sternenkleid“ sieht Annemieke van Dam aus, als wäre sie soeben dem Bild von Franz Xaver Winterhalter in der Wiener Hofburg entstiegen.

„Vergesst Sissi!“ Dieser Losung hat sich Annemieke van Dam verschrieben. Allenfalls eine österreichisch korrekte „Sisi“ würde die Niederländerin gelten lassen. Von Markus Terharn

Bloß los vom 50er-Jahre-Kitsch der Filme mit Romy Schneider, hin zu einer wahrhaftigen Darstellung der Kaiserin, die von 1837 bis 1898 ein so glanzvolles wie eher unglückliches Leben führte: Das ist das Ziel der 27-Jährigen. Für die Titelrolle im Musical „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“ von Michael Kunze und Sylvester Levay, von morgen an im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper, hat sich die bezaubernde junge Dame an historischen Stätten umgeschaut – in der Kaiserstadt Wien.

Zahlreich sind die Orte, die sich dort mit dem Namen Elisabeth verbinden. Das beginnt mit der barocken Villa Favorita, von wo die 16-jährige bayerische Prinzessin mit der Kutsche zur Hofburg gelangte. Die schiere Größe der Hauptstadt und die Pracht der Fassaden müssen ihr den Atem verschlagen haben.

Perücke, die mehrere Kilogramm wiegt

In der Residenz erinnert ein eigenes „Sisi-Museum“ an die berühmte Bewohnerin. An ihren Lebensstationen entlang zeichnet es das Bild einer berückend schönen Frau und einer problematischen Persönlichkeit. Sie trieb Sport an archaisch anmutenden Geräten, ritt wie eine Wilde, achtete auf ihr Äußeres. Unzählige Spiegel bezeugen ihre Eitelkeit. Ihr Haar soll bis in die Kniekehlen gereicht haben.

Annemieke van Dam wird eine Perücke tragen, die mehrere Kilogramm wiegt – und unter anderem das „Sternenkleid“, in das Elisabeth auf einem dort ausgestellten Gemälde von Franz Xaver Winterhalter gehüllt ist. Deren für die damalige Zeit außergewöhnliche Größe, 1,72 Meter, überragt van Dam noch.

Das strenge spanische Hofzeremoniell weiß die Führerin so zu schildern, dass sich Beklemmung breit macht. Einmal schaffte es die Kaiserin, unerkannt bis zum Kohlmarkt zu entwischen. Wie sie sich fühlte, veranschaulichen Gedichte, die Elisabeth im Stil Heinrich Heines verfasste und aus denen an den Wänden zitiert wird: „Ich bin erwacht in einem Kerker, und Fesseln sind an meiner Hand.“

Elisabeths grausiges Ende als Zufallsopfer eines italienischen Attentäters bleibt, anders als in den Filmen, nicht ausgespart. Da liegt sogar eine Dreikantfeile, ähnlich derjenigen, die Luigi Lucheni der Kaiserin ins Herz stieß. Im Stück hat der Mörder eine große Rolle; eine eigene spielt der Tod, mit dem sich Elisabeth früh beschäftigt hat.

Um die Ecke liegt die Kirche, in der Franz Joseph und Elisabeth getraut wurden, in einer quälend langen, von ihr als bedrückend empfundenen Zeremonie. Und es ist nicht weit zur Kapuzinergruft, wo sie Seite an Seite in reich verzierten Sarkophagen ruhen.

„Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“, Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay, ab 18. Dezember in der Alten Oper Frankfurt. Karten unter Tel.: 069 1340-400

Einblicke ins Privatleben des hohen Paares verschafft sich van Dam vor den Toren der Hauptstadt im Schloss Schönbrunn. Dort sind die Gemächer eingerichtet wie im 19. Jahrhundert. Elisabeth-Porträts in fast allen Räumen beweisen, dass ihr Gatte sie regelrecht vergöttert hat. Auch eine Elisabeth-Stätte ist das Theater an der Wien, wo das Musical 1992 Weltpremiere feierte und wo Annemieke van Dam interessierte Besucherin ist. In Berlin, wo Harry Kupfer 2008 die überarbeitete Fassung inszenierte, und in Zürich hat sie die Rolle bereits selbst gespielt. Frankfurt darf sich auf eine kompetente, bestens vorbereitete Elisabeth freuen!

Quelle: op-online.de

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