Kampf der Königinnen

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Rivalinnen auf Shakespeares Bühne: Elisabetta (Katrin Gerstenberger) und Maria Stuarda (Adréana Kraschewski)

Darmstadt - Maria Stuart auf Shakespeares Bühne: In einer Imitation des Londoner Globe Theatres spielt Gaetano Donizettis Oper „Maria Stuarda“ im Staatstheater Darmstadt. Von Axel Zibulski

Hier ein Erinnerungsstück: Elisabeth I. lässt die Vorgänge in Donizettis ohnehin recht freier Adaption des Schiller-Dramas Revue passieren, stumm gedoppelt als greise Königin, die auf dem Thron keine Ruhe findet. Man hat, das demonstriert Regisseur Alfonso Romero Mora handfest am Ende der gut zweieinhalb Stunden dauernden Belcanto-Oper, die Rivalin nicht sichtbar für Elisabeth gemeuchelt. Was zuvor geschah, zeigt Mora in seiner bildprächtigen, aber auch ein wenig korsettierten Regie zuvor, immerhin fern der Gefahr, das Drama zum puren Primadonnenkampf werden zu lassen. Denn als Concours wäre der vokale Wettstreit ohnehin ein ungleicher, wurde doch Sopranistin Adréana Kraschewski, Sängerin der Titelpartie, als indisponiert angekündigt. Ihre Darstellung der Gefangenen Maria Stuart ist dennoch fulminant, bietet vokale Akrobatik fern des Schablonenhaften, stets im Dienst des Ausdrucks. Sie rückt das meist statisch wirkende Theater auf dem Theater ins Vitale, Fesselnde, und kann sich dabei einer höchst ebenbürtigen Rivalin sicher sein: Katrin Gerstenberger ist eine Königin von herber vokaler Kühle, die doch nie spröde oder distanziert singt.

Nächste Vorstellungen am 29. April, 8., 21. und 26. Mai.

Das alles spielt sich vor vielen Augen ab, vor dem sparsam eingesetzten Chor als stummes Publikum auf den „Globe“-Rängen blickt. Am Bühnenrand singt aus Noten Tenor Erik Fenton, der kurzfristig in der Partie des Grafen von Leicester eingesprungen ist. Dafür ist Fenton, der die Partie laut Intendant John Dew seit 15 Jahren nicht mehr gesungen hat, zu danken. Verkörpert wurde Leicester vom stumm spielenden Regisseur Mora. Trotz der vokalen Vorzeichen war der Abend musikalisch zu Recht stark gefeiert, und die Idee, diese „Maria Stuarda“ per Bühne auf der Bühne (von Dirk Hofacker) zu zeigen, bedeutet nicht mehr als einen Rahmen, wenngleich einen optisch attraktiven. Ob das Spiel eine Erinnerungs-Kopfgeburt Elisabeths ist oder einfach eine Szenerie, die ihr durch Vergegenwärtigung Erkenntnis bringt, bleibt offen. Geschickt einbinden kann Mora immerhin die Vorliebe Donizettis, seine Figuren leise kommentierend und zur Seite ins Publikum sprechen zu lassen, und zwar in jenen Posen, an denen diese Inszenierung nicht arm ist. Umso natürlicher und flüssiger grundieren Dirigent Martin Lukas Meister und das Orchester das Geschehen aus dem erhöhten Graben, bei aller prägnanten Feinzeichnung näher an Mozart als etwa am frühen Verdi – auch das spricht für Donizettis Meisterstück.

Quelle: op-online.de

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