Kampf mit dem Ich

Frankfurt - Ein Bodenscheinwerfer kehrt ein Fellknäuel aus der Dunkelheit hervor. Atembewegungen sind zu erkennen. Das tierhaft anmutende Wesen hat keinen Kopf, aber zwei Rüssel, mit denen es seine Umgebung erkundet. Von Stefan Michalzik

Nach einer Weile entpuppt sich eine feenhaft anmutende Frau in Schwarz mit maskiertem Gesicht. Ein furioser Kampf zwischen ihr und dem ein Eigenleben behauptenden Fell entspinnt sich; sie obsiegt, das Fell liegt am Ende leblos am Boden.

„Venus in Furs“ von 2007, ein Pas de deux für die Tänzerin Alexandra Gilbert, ist das Eingangsstück von „Three Spells“, einem Triptychon von Damien Jalet im Frankfurter Mousonturm. Es ist der Kampf des Menschen mit seiner Natur, von dem der belgische Choreograf und Tänzer erzählt.

„Vernari“, entstanden 2008, greift den in der Antike verwurzelten Mythos vom Jäger Actaeon auf, den die Göttin Artemis in einen Hirsch verwandelt. Damien Jalet streift sich in diesem Solo ein Hirschgeweih über, Muskeln zucken. Der Kampf kulminiert unter Noisemusik des Österreichers Christian Fennesz.

Im Schlussstück „Aleko“, einem Duo, das Damien Jalet 2006 mit Sidi Larbi Cherkaoui nach Puschkins „Die Zigeuner“ für sich und Gilbert entwickelt hat, wird Gilbert von ihrer Haarmähne in ein wüstes Gefecht gezogen. Im Furor der Leidenschaft bringt der Mann die Frau um; mit den Zähnen hebt er den toten Körper an. Das Bild ist von düsteres Schönheit. Jalets Erzählweise steht dem Ballett näher als dem Tanztheater.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Gabi Schoenemann/ pixelio.de

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