„Es ist wie eine Heimkehr“

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Die Choreografie „Dark Matters“ ist das erste Werk der für drei Jahre am Mousonturm ansässigen Compagnie Kidd Pivot Frankfurt RM. Premiere ist am 6. Mai.

Von 1996 bis 2001 tanzte Crystal Pite im Frankfurter Ballett von William For sythe. Nun ist die kanadische Choreografin zurück: Für zunächst drei Jahre hat der Mousonturm sie mit ihrer Compagnie Kidd Pivot Frankfurt RM an das Haus gebunden, mit Hilfe des von Städten der Region finanzierten Kulturfonds Frankfurt Rheinmain.

Pite wurde 1970 in Terrace (British Columbia) geboren. Mit vier Jahren erhielt sie ihren ersten Ballettunterricht. Von 1988 an gehörte sie zum Ensemble des Ballet British Columbia, das auch eins ihrer Stücke ins Repertoire aufnahm. Sie schuf Choreografien für das Alberta Ballet, Dance Victoria und die Cedar Lake Company. 2001 gründete sie im kanadischen Vancouver ihre Compagnie Kidd Pivot. Als assoziierte Choreografin entwickelt sie einmal im Jahr ein Stück mit dem Nederlands Dans Theater. Stefan Michalzik sprach mit Crystal Pite.

Wie würden Sie selbst ihren choreografischen Stil charakterisieren?

Crystal Pite

Crystal Pite: „Ich arbeite mit verschiedenen Elementen. In meinen Stücken gibt es oft gesprochenen Text oder Ausstattungsteile, die in der Weise des Theaters funktionieren. Ich schätze die Magie des Theaters. Ich mag Kontraste und bin von vielen verschiedenen Dingen beeinflusst. Manche Szenen haben bei mir einen bestimmten Flow, andere sind sehr scharf und präzise konturiert und haben viel Ruhe. Es ist schön, zwischen den Extremen wechseln zu können.“

Mit Blick auf die Verbindung von Tanz und Theater: Welche Bedeutung hat Pina Bausch für Sie?

„In meiner Zeit bei William Forsythe hatte ich erstmals die Gelegenheit, Stücke von ihr zu sehen. Das war großartig, denn sie war eine Visionärin, von der sich so viele Choreografen haben beeinflussen lassen. Sie hat mir eine Welt von Möglichkeiten eröffnet, mir gezeigt, was möglich ist im Bewegungsrepertoire und in der Kombination unterschiedlicher Dinge. Ihre Arbeit hatte viele verschiedene Fenster. Sie vermochte es, Leute mit ganz unterschiedlichen Perspektiven anzusprechen.“

Welche anderen Choreografen waren wichtig für Ihre Entwicklung?

„Ich bin immer noch ein großer Anhänger von William Forsythe. Seine Meisterschaft und Innovationskraft ist erstaunlich. Seine augenscheinlich Jahr für Jahr noch zunehmende Wissbegierde und sein Mut sind für mich sehr inspirierend. Darüber hinaus habe ich als Tänzerin mit 30 oder 40 Choreografen zusammengearbeitet: Sie haben sie mich alle beeinflusst.“

Was bedeutet es für Sie, als Hauschoreografin am Mousonturm zu arbeiten?

„Bisher konnten wir immer nur projektbezogen arbeiten. Ich war nicht in der Lage, meine Tänzer das ganze Jahr über zu beschäftigen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, mehr Zeit auf ein Stück zu verwenden, und haben auch die Möglichkeit, Dinge zu verwerfen und neu anzusetzen. Wir haben mehr Zeit zum Denken und Experimentieren und insgesamt eine stabilere Basis. Das ist ungeheuer wichtig. Und es ist großartig, wieder nach Frankfurt zu kommen. Es ist wie eine Heimkehr.“

Wie sehen Ihre Pläne aus?

„Nachdem wir Anfang Mai unser Stück ,Dark Matters’ zeigen, werden wir für den Herbst unser erstes neues Stück erarbeiten. Das ist noch weit weg. Nur so viel: Es soll ein Stück in der zweiten Person sein. Der Zuschauer wird direkt angesprochen und soll fühlen können, dass es sich um sein eigenes Stück handelt.“

Was bedeutet Erfolg?

„Wenn ich spüre, dass ich ein Risiko eingehe, dass mein Mut verlangt ist, dann fühle ich mich vor mir selbst als erfolgreich. Und dann ist es mir wichtig, dass meine Arbeit beim Publikum ankommt. Wir wollen das Publikum erreichen, wollen gute Gäste in Frankfurt sein.“

Quelle: op-online.de

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