Ausblick auf die Zukunft der Satire

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„Rambonate“ brachte Jana Kühnberg einen zweiten Preis im DOCMA-Wettbewerb.

Frankfurt - Wie die digitale Zukunft der Satire aussehen könnte, zeigt die Ausstellung mit den besten 50 Karikaturen aus dem Wettbewerb der Fachzeitschrift „DOCMA“ im Frankfurter Museum für Kommunikation. Von Martha Schmidt

Die digitalen Karikaturisten arbeiten nicht auf Papier mit Stift und Feder, sondern an ihrem Computer mittels Bildbearbeitungsprogramm. Kein Wunder, dass die Sachpreise im Gesamtwert von 25.000 Euro von der Computerbranche gesponsert wurden.

Thilo Sarrazin im „Fettnapf“ von Torsten Wolber haben die 18 Juroren unter den 180 eingesandten Arbeiten als beste Karikatur der Profis ausgewählt. Die Veranstalter haben die Teilnehmenden nach drei Klassen sortiert: professionelle Anwender, Auszubildende und semiprofessionelle Anwender, Hobby-Bildbearbeiter also. Von den Semi-Professionellen hat sich Andreas Baumbauch mit „Alle hatten dich gewarnt“ den ersten Platz geholt, und von den Auszubildenden Björn Barends mit der Arbeit „100 % Übermensch“, auch eine Karikatur Sarrazins, der überhaupt das beliebteste Motiv abgab.

Digitale Karikaturisten bewegen sich auf rechtlichem Glatteis. Abgesehen davon, dass sie wie ihre Kollegen von der zeichnenden Zunft Ärger mit den Porträtierten bekommen, wenn die ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sehen, müssen digitale Karikaturisten auf der Hut sein, die Bildrechte von Fotografen nicht zu verletzten. Damit es in dieser Hinsicht bei dem Wettbewerb keinen Ärger geben konnte, hat der Fotojournalist Hermann Heibel fünfzig Prominentenfotos als Ausgangsmaterial gratis zur Verfügung gestellt.

Karikaturen werden sich immer mehr durchsetzen

Noch sind die Medien zurückhaltend mit dem Einsatz digitaler Karikaturen, aber je mehr bei ihren Lesern die Erkenntnis wächst, dass die Schönen und Mächtigen dieser Welt ihre Falten digital glätten und ihren Körper per Photoshop in Form bringen, umso mehr werden sich auch Bilder durchsetzen, welche die Promis digital karikieren.

„Digitale Karikaturen: Der DOCMA Award 2011“ bis 23. Oktober im Museum für Kommunikation, Frankfurt, Schaumainkai 53. Geöffnet: Dienstag bis Freitag 9-18 Uhr, Samstag und Sonntag 11-19 Uhr.

Zur ausgefeilten Bildbearbeitung muss aber auch die satirische Aussage hinzutreten, damit eine gute Karikatur entsteht. Mit EU-Präsident Barroso im Euro-Rettungsschirm ist das Raif Valiev gelungen – er gewann den dritten Platz in der Gruppe Profis – und mit Renate Künast als „Rambonate“ gelang das Jana Kühnberg, die in der Gruppe Semiprofis den zweiten Preis erhielt. Bei vielen Arbeiten war das Bild zwar technisch perfekt, jedoch ohne satirischen Biss.

Es ist absehbar, dass die Absicht des Herausgebers der Zeitschrift „DOCMA“ aufgeht, und sich die Qualität der digitalen Karikatur bessern wird. Dann werden wir vielleicht eine Ausstellung im Caricatura Museum sehen.

Quelle: op-online.de

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