Karl Otto Götz’ Malerei in Wiesbaden

Magische Kraft der Schwünge

Karl Otto Götz, „Giverny VII-1“ © VG Bild-Kunst Bonn 2014

Wiesbaden - Der am 22. Februar 100 Jahre alt gewordene Karl Otto Götz ist ein Phänomen. Von Reinhold Gries 

Acht Jahrzehnte ist er als Maler tätig, nach nach ersten abstrakten Bildern 1933 prägte Götz die Nachkriegskunst und brachte als Düsseldorfer Professor Schüler wie Gerhard Richter und Sigmar Polke heraus. Die Jubiläumsschau im Museum Wiesbaden belegt: Noch 2010 hat der im Westerwald wohnende Pionier charakteristisch breite Malspuren auf vier Meter Malgrund gesetzt.

Das hessische Landesmuseum hat für Götz besondere Bedeutung: Dort wurde die in den 1950er Jahren entstehende Kunstrichtung des Informel zuerst präsentiert, dort stellte man Götz als einziges deutsches Mitglied der neoexpressionistischen Künstlergruppe „CoBrA“ und Protagonist der Frankfurter „Quadriga“ 1953 aus. Und dann wieder 1957 in der bahnbrechenden Schau „couleur vivante“.

Wirbelbilder in wenigen Sekunden gemalt

„Meine sogenannten Wirbelbilder zeichnen sich dadurch aus, dass sie in drei bis vier Sekunden gemalt werden müssen, während zur Entwicklung dieses Typs drei bis vier Jahre gebraucht wurden. Auf diese Weise habe ich hintereinander manchmal 15 bis 20 Bilder gemalt und auch wieder zerstört, ehe die letzte zufriedenstellende Version entstand“, schildert er seine Vorgehensweise. Bis er zur Freiheit solcher Malereignisse vorstieß wie „5. 2. 1953“, „Dovre“ (1957), „Dantons Tod“ (1960) oder auch „Nordli“ (1966), bedurfte es einiger Inspiration durch Action Painter, Kubisten, Surrealisten, die Ecole de Paris oder deutsche Abstrakte. Dass Götz dabei eigenständig blieb, sieht man an elegant gekurvten, schwebenden „Schwarzen Rhythmen“, malerischen „Luftpumpenstudien“, surrealen „Radiogenesen“ oder poesievollen „Variationen über ein Thema CoBrA-Bild“.

„K.O. Götz“ bis 12. Oktober im Museum Wiesbaden, Friedrich-Ebert-Allee 2. Geöffnet: Dienstag und Donnerstag 10-20 Uhr, Mittwoch sowie Freitag bis Sonntag 10-17 Uhr.

„7.9.52 – letztes Ölbild“ steht unter einem Bild aus grau gehöhten und vertieften Fugen. Damals entdeckte Götz beim Anrühren von Kleister und Wasserfarbe für seinen Sohn eine neue Möglichkeit, Farbe mit unterschiedlichen Pinseln auf mit Kleister bestrichene Leinwände aufzutragen. Um sie blitzschnell in kühnen Schwüngen und Gesten per Gummirakel wegzuschleudern. Die in diffizilen Arbeitsgängen eingesetzte Rakeltechnik wurde Götz’ Markenzeichen. Urenergie verbreiten auch Leinwände aus den 1970er/80er Jahren, in denen nicht nur spezielle eigene Poesie zu entdecken ist sondern auch durchaus reale Hintergründe. So ist das spannungsreiche „Moga I/II“ 1977 unter dem Eindruck der Flugzeugentführung von Mogadischu entstanden. Blau, rot und gelb hinterleuchtete Magie der Bilder „Nousu“ und „Füso“ zielen auf Götz’ norwegische Offizierszeit ab, nicht ohne immer neu auf die Farbe Schwarz zurückzukommen.

Anders ist das bei der zerklüfteten Farbenpracht der „Giverny“-Serie aus den 80ern, bei der Schwarz fehlt, einer farbstarken Hommage an Monets Seine-Garten, den Götz nie gesehen hat. Imagination ist alles, auch wenn Götz beim fünf Meter breiten „Nirak“-Querformat Schwünge aus dem Dunkel kommen lässt, spiralig verwirbelt und in Blau, Gelb, Orange und Glutrot überführt. Zwischen Ordnung und Chaos findet er zur absoluten Malerei.

Quelle: op-online.de

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