Die Republik kennt viele Narren

Köln/Mainz/Düsseldorf (mG/akr) - Nachwuchsprobleme kennen Karnevalsvereine nicht, was bei über drei Millionen Karnevalisten und mehr als 6000 Karnevalsgesellschaften bundesweit nicht verwunderlich ist. 700 weitere Gruppen kamen im Dachverband bei der Wiedervereinigung dazu.

Kölner Karneval

Der Kölner Karnevalwird traditionell am 11.11. um 11 Uhr 11 auf dem Heumarkt in der Kölner Altstadt eröffnet. Gefeiert wird an diesem Tag aber nicht nur vor einer großen Bühne inmitten tausender Jecken auf dem Heumarkt selbst, sondern in der gesamten Altstadt.

Auch wenn der eigentliche Straßenkarneval erst drei Monate später beginnt, so wird am Tag der Eröffnung trotzdem auch auf der Straße und in den Kneipen der Innenstadt kostümiert gefeiert. Und damit ist nicht Baggern und Saufen gemeint, sondern echter „Spaß an der Freud“. Die offizielle Karnevalssession beginnt schon weit vorher im Januar. Es gibt hunderte Karnevalssitzungen, darunter auch reine Damen- und Herrensitzungen sowie Kinder- und Vereinssitzungen.

Zeugnisse der antiken Welt belegen, rituelle Feste und Kulte – dem Karneval verwandte Formen – wussten bereits die Bewohner des römischen Kölns zu feiern, und daran hat sich bis heute nahezu nichts geändert.

Die Mainzer Fastnacht

Die Mainzer Fastnachtist das Mainzer Volksfest, die berühmte 5. Jahreszeit. Fastnacht, das sind drei tolle Tage und vier durchjubelte Nächte. Eingeleitet wird die Saison mit der alljährlich stattfindenden Verlesung der elf Fastnachtsgesetze durch den Oberbürgermeister vom Balkon des Osteiner Hofes am 11.11. um 11.11 Uhr.

Fastnacht in Mainz ist aber auch ein Stück Stadtgeschichte, ein kulturgeschichtliches Phänomen, das durch die bekannte Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ die närrische Hochburg weit über die lokalen Grenzen hinaus bekannt gemacht hat.

Bereits im 16. Jahrhundert sind närrische Umtriebe belegt. Erst im 19. Jahrhundert gründeten sich dann die ersten Fastnachtsvereine in Mainz. Mit der Gründung des Mainzer Carnevalsvereins (MCV) 1838 und der Genehmigung seiner Statuten durch die hessische Provinzialregierung sollte dem „bisherigen karnevalistischen Wildwuchs auf Straßen, in Ballsälen unter Masken und Vermummungen durch Ordnung, veranstaltete Form und ästhetische Gestaltung“ ein kontrollierbarer Rahmen gegeben werden. Noch heute gelten die Ausgelassenheit und Feierfreude der Mainzer als charakteristische Eigenschaften, die nicht nur beim närrischen Treiben zum Ausdruck kommen.

Düsseldorf - Die Karnevals-Hochburg

Auch der Düsseldorfer Karneval hat eine beachtliche Tradition. Begonnen hat es hier mit den mittelalterlichen Reiter- und Ritterspielen, mit Bällen und Kostümfesten bei Hofe. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kam dann das Vergnügen dazu, die Obrigkeit auf die Schippe zu nehmen. Da wurden die militärischen Bräuche, die Franzosen und Preußen ins Rheinland gebracht hatten, entsprechend persifliert.

Gardeuniform und Holzgewehr, Tanzmariechen samt Tanzoffizier und die närrisch-gelockerte Disziplin der Garden, aber auch Orden und Ehrenzeichen sind Anleihen an die martialische Zeit. In Düsseldorf wurde 1825 der erste Prinz gekürt und ein Rosenmontagszug gestartet. Das war nur zwei Jahre später als in Köln und elf Jahre früher als in Mainz.

Seitdem zieht der Zug alljährlich, und nur Kriegs- und Notzeiten konnten ihn stoppen. Als 1949 erstmals nach den schlimmen Jahren der Zug wieder durch die zerstrümmerte Düsseldorfer Innenstadt zog, da war dies für sehr viele ein Zeichen für den ungebrochenen Lebenswillen der Rheinländer.

Straßenkarneval hat auch in Düsseldorf beachtliche Bedeutung gewonnen. Es beginnt am Donnerstag vor Rosenmontag. Da haben die Möhnen, die „alten“ Frauen, das Sagen. Sie stürmen das Rathaus, besetzen den Wochenmarkt auf dem Karlplatz. Die Männer haben nur noch wenig zu bestellen. Am Karnevalssonntag ist dann Generalprobe auf der Königsallee. Den ganzen Tag über geben sich die Kostümierten ein Stelldichein. Ganze Familien, Kegelklubs oder Freundeskreise sind unterwegs, oft genug das Fässchen Bier im zum Bagagewagen umfunktionierten Kinderwagen dabei. Von Jahr zu Jahr sind es mehr geworden, die diese Selbstdarstellung auf der Kö besorgen.

Quelle: op-online.de

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