Jazziges aus eigener Feder

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Aus Nidderau in die weite Musical-Welt gezogen: Katharine Mehrling singt auch Jazz.

Frankfurt - Äußerlich von zierlicher Gestalt, wird sie auf der Bühne zur überragenden Show-Größe: Katharine Mehrling hat sich für ihr Konzert mit Liedern aus eigener Feder des jazzigen Gebläses der hr-Bigband versichert. Von Klaus Ackermann

Tatort am Donnerstag um 20 Uhr ist der hr-Sendesaal an der Frankfurter Bertramstraße. Swingend steigt auch Jazzklarinettist Rolf Kühn ein, der die in Berlin lebende Nidderauerin zu den Blues-lastigen Songs ermunterte.

Kaum einer ist in so vielen Genres daheim wie Schauspielerin und Musical-Darstellerin Mehrling, die französische Legende Edith Piaf ebenso verkörpernd wie Irma La Douce. Mit einer flexiblen Stimme, die mühelos zwischen hartem Rock, tiefgründigen Chansons und Jazzsongs pendelt. „Am Rande der Nacht“ nennt sie ihre erste CD, eine für den Showstar magische Zeit, eine Zwischenwelt, bevor der Tag anbricht. „Alle Lieder haben etwas mit der Nacht zu tun“, sagt Katherine, die Text und Musik selbst verfasste. Für die musikalische Verpackung war Rolf Kühn zuständig, der mit seiner Klarinette die kleine Besetzung ergänzt.

Es sind Songs, die Fragen stellen und bittersüße Stimmungen beschwören. Kurzum, es geht in diesen zwischen Blues und Chanson changierenden Liedern um Beziehungen, die gedanklich und stimmlich intensiv aufgearbeitet werden. Ein neues Kleid erhält das Album durch hr-Bigband und Arrangements des Gastdirigenten und ehemaligen Leader Jörg-Achim Keller. „Da ist viel Kraft und Energie im Spiel.“

Mit dem Jazz seit der Kindheit vertraut

Mit dem Jazz ist die Mehrling seit ihrer Kindheit in Nidderau vertraut. Ihr Vater, ein in der Szene wohl bekannter Pianist, habe in seiner Musikkneipe regelmäßig Dixieland gespielt, was der Tochter anfangs noch „tierisch auf den Nerv“ ging, die Chansons ihrer Mutter vorziehend, die in ihrer Karriere eine wichtige Rolle gespielt habe. Erst nach einem Konzert der legendären Ella Fitzgerald hat sich Katharine in den Jazz verliebt. Ein umfassende Gesangs- und Schauspielausbildung in New York und London folgte.

Für ihre künstlerische Entwicklung sei es sehr wichtig gewesen, in einer fremden Stadt zu leben, mit einer fremden Sprache zu arbeiten. Ihr Theaterdebüt gab sie dann auch im ehrwürdigen Old Vic Theatre im Londoner Westend. Die Ochsentour durch Theater und Musical führte sie an ihren jetzigen Lebensmittelpunkt Berlin. Dort hat sie Evita und neben vielen anderen mehr auch die Sally Bowles („Cabaret“) gesungen und dargestellt – in über 250 Vorstellungen. Im Februar wird sie im Berliner „Wintergarten“ in einer Revue auftreten, die sie selbst konzipiert und szenisch eingerichtet hat.

Allerhand los also beim international geschätzten und ausgezeichneten Gesangsstar, der allerdings auch einen Koffer („es sind mehrere Kisten“) in Nidderau hat, wo sie Weihnachten verbringen wird – ganz traditionell. Dann lässt sie sich von ihrer Schwester mit hessischen Spezialitäten verwöhnen. Ausgenommen ist „Grie Soß“, denn die habe sie sogar an der Spree entdeckt. Doch auch hier kann Katherine nicht vom Swing lassen. Am späten Freitagabend wird die Jazz-Röhre im Hanauer „Whisky a go go“, der Piano-Bar am Goldschmiedehaus, eine Jamsession beflügeln - natürlich mit Rolf Kühn als Solisten.

Quelle: op-online.de

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