Kein Leben ohne Liebe

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Viel Profil zeigen Nicole Kun, Marcello Celona und Elena Hahn (von links) in ihrer ersten Produktion.

Offenbach - Es ist eine Situation, die aus der Dienstleistungsgesellschaft vertraut wirkt: Zwei Frauen im Büro, ihre Laptops vor sich. Eine, in beigem Kostüm und mit blondem Dutt, emsig darauf erpicht, dem Chef seine Zahlen zu liefern. Von Markus Terharn

Die andere, in sündigem Rot und mit Rose in den offenen, dunklen Locken, eifrig in der „Gala“ blätternd.

Wer mit wem? Von dieser Frage zehrt die Klatschpresse. Zugleich ist es das zentrale Thema im öden Arbeitsalltag der tüchtigen Veronika und der lebenslustigen Olga. Wie diese jungen Damen in Feierabendvorfreude von Liebe und Freiheit, vom Spiel und der Treue träumen: Das ist Gegenstand des intelligent unterhaltenden Musiktheaters „So oder so“, mit dem die Compagnie Zeitlos ein langes, erfolgreiches Premierenwochenende im Offenbacher t-raum gefeiert hat.

Erst zicken sie einander an. Dann entdecken sie Gemeinsamkeiten. Sie werden beste Freundinnen. Dann kommt das Trennende zum Tragen. So weit der Handlungsbogen, den die Compagnie in kurzweilige, bewegende zweimal 45 Minuten packt.

Zeitlos ist das Ergebnis durch die Verwendung von Texten und Musikstücke, die den Status von Klassikern erlangt haben. „Nein, zärtlich ist er nicht“, heißt es nach einem Gedicht Kurt Tucholskys von einem Angehörigen jenes Geschlechts, das sich auch prosaisch beschimpfen lassen muss: „Männer sind Trampel, unzuverlässig und unvollkommen!“

„Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“

Aber sie müssen durchaus Vorzüge haben: „Eine Frau wird erst schön durch die Liebe“, singt schließlich Zarah Leander. „Leben ohne Liebe kannst du nicht“, weiß Marlene Dietrich. Im Duett wird deutlich, dass Veronika und Olga in ihren Wünschen so unterschiedlich nicht sind.

Doch die Inszenierung von Hausherrin Sarah C. Baumann arbeitet feine Kontraste heraus: Als Veronika ist Nicole Kun, dem Publikum aus „Rose verrockt“ bekannt, zuständig für innigen Schöngesang. Dagegen besetzt Elena Hahn, auch in „Achterbahn“ zu sehen, als Olga die Rolle der temperamentvollen Russin, die auch drei Lieder in ihrer Muttersprache vorträgt. Für das virtuose Fundament sorgt Marcello Celona, wie bei „Heute Abend: Lola Blau“ die Tasten streichelnd.

Von Friedrich Hollaender über die Comedian Harmonists bis Jacques Brel reicht die Auswahl immergrüner Kompositionen, garniert mit hübschen szenischen Einfällen. Da möchte mancher ins Chanson einstimmen: „Bitte geh nicht fort...“ Nächste Aufführungen am 12. und 13. April 2013 im t-raum (Wilhelmstraße 13)

Quelle: op-online.de

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