Kein Trost, nirgends

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Es gibt kein Zurück: Constanze Becker, Andreas Uhse und Birte Leest als Ehepartner, die aneinander vorbei leben.

Frankfurt - Eine ganz gewöhnliche Geschichte. Zwei langjährige Ehen im fortgeschrittenen Zustand des Zerfalls. Pläne stehen im Raum, vom Kauf eines Hauses, vom zweiten Kind. Eines der Paare, das wohl keine eigenen bekommen kann, interessiert sich für eine Adoption. Von Stefan Michalzik

Doch es will nichts mehr recht zusammen gehen. Die Partner verstehen sich nicht mehr. Reden – und vor allem: fühlen – aneinander vorbei.

Der schwedische Dramatiker Lars Norén, der Anfang der achtziger Jahre mit Ehedramen wie „Nachtwache“ und „Dämonen“ zu den international am meisten gespielten Skandinaviens geworden ist, hatte zwar zwischenzeitlich seinen Fokus auf das Schicksal gesellschaftlicher Randfiguren verlagert; zentral für seine mit bislang beinahe hundert Stücken stetig sprudelnde, sein Leben zum Teil gleichsam halbautobiografisch begleitende dramatische Produktion bleibt jedoch seine Rolle als Strindberg unserer Tage. „Liebesspiel“ nach der Uraufführung vor zwei Jahren in Stockholm nun an den Frankfurter Kammerspielen von dem jungen Regisseur Alexander Frank erstmals auf eine deutschsprachige Bühne gebracht, ist vollends frei von Überraschungen.

Man ist nicht gespannt, wie es weitergeht mit diesen vier verlorenen Figuren, wie es ausgehen mag. Man kennt das alles schließlich gut. Von diesem Autoren, aus dem eigenen Leben. Nicht umsonst bezeichnet Lars Norén seine Figuren mit neutralen Buchstaben anstelle von Namen: Die Menschen, die Situationen, die Hilflosigkeit im Umgang damit, alles ist hier prototypisch. Fast schon klischeehaft.

Und doch wirkt es nicht abgeschmackt. Die 23 schlaglichthaften Szenen sind so trocken-knapp und schneidend präzise gearbeitet, wie man das von Lars Norén nicht anders erwartet. Norén rückt den Dingen zuleibe und er kriegt sie so trefflich zu fassen wie kaum ein zweiter.

Alexander Frank wiederum gelingt es, inszenatorisch nicht zu viel und nicht zu wenig zu tun. Das Quartett um Constanze Becker und Till Weinheimer sowie Birte Leest und Andreas Uhse agiert in diesem Konzert der Dissonanzen durchweg großartig. Da sind Dinge, Tonfälle und Gesten akzentuiert und auch mal pointiert, aber nie überzeichnet.

Alles spielt sich in Dämmerlicht ab. Bühnenbildner David Gonter deutet mit nicht mehr als einer altertümlichen Sofa samt Stehlampe und einem illuminierten Baumhaus, in dem sich der stumm agierende Junge des einen Paars tummelt, nostalgische Wärme an. Ein Zurück dahin gibt es nicht mehr, eine Flucht nach vorn aber auch nicht ohne weiteres. Auch nicht mit einer Affäre oder einem neuen Partner.

Kein Trost, nirgends. Was bleibt ist Vertrautheit. Ein Gefühl der Verbundenheit, über alle Verletzungen hinweg. Am Ende sitzen die vier auf dem Sofa. Dicht gedrängt, nach der Ordnung der ursprünglichen Partnerschaften, im Schein der selbstverständlichen Eintracht eines Gruppenfotos. Der kleine Junge schleicht sich von hinten heran und macht: „Paff“. Schluss, aus. Und immer so weiter. Nicht zuletzt wohl auch mit der dramatischen Produktion Lars Noréns.

  • Weitere Aufführungen am 1., 11. und 12. Februar. Karten gibt es unter Tel.:  069 21249494

Quelle: op-online.de

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