Bin keine Marionette

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Erste Station Frankfurt: Nils Kahnwald

„Wie in jedem Beruf wird es sicherlich auch mal andere Zeiten geben. Aber gerade bin ich sehr glücklich, hier am Schauspiel Frankfurt zu sein.“ So sieht es der 24-jährige Nils Kahnwald, der direkt von seiner Schauspielausbildung an der Hochschule der Künste in Berlin engagiert wurde. Von Astrid Biesemeier

Vier Jahre hat er mit zwölf anderen Studenten sehr eng und sehr intensiv zusammengearbeitet: Rollen erarbeiten, Gestaltung von Fremdverhalten und Aufbau der Figur, Atem, Stimme, Sprechen, Singen üben, tänzerische Techniken und Formen lernen, Dramen- und Theatergeschichte und noch viel mehr gehört zur Ausbildung.

Das war sehr interessant. Aber irgendwann möchte man einfach spielen.“ Und damit meint er auch größere Rollen. Denn erste Bühnenerfahrungen in kleineren Rollen hat er bereits gesammelt: am Deutschen Theater Berlin, am Maxim Gorki Theater oder auch am Theater an der Parkaue. Nun beginnt er mit vielen neuen Kollegen in einer neuen Stadt. „Plötzlich habe ich begriffen, krass, das ist nun mein Beruf.“

Kahnwald ist glücklich als Schauspieler

Dabei war es immer sein Ziel, Schauspieler zu werden. Mit sechs Jahren hatte er bereits in einer Kindertheatergruppe in Marburg, wo er aufgewachsen ist, mit dem Theaterspielen angefangen. Jetzt ist Nils Kahnwald Schauspieler von Beruf. Und glücklich. „Das heißt nicht, dass die Proben immer gut laufen. Natürlich gerät man da auch mal aneinander. Das gehört ja dazu. Schließlich haben Schauspieler und Regisseur manchmal unterschiedliche Vorstellungen.“

Das findet Kahnwald sogar fruchtbar. Über unterschiedliche Vorstellungen von einer Figur muss man natürlich sprechen. Aber das erzeugt eine Reibung, aus der dann etwas entsteht. Was Nils Kahnwald nicht leiden kann, sind Regisseure, die jede kleinste Bewegung vorgeben und einen Schauspieler dadurch in ein Korsett pressen. „Ich bin ja keine Marionette.“

Er spielt einen von zwei Auftragskillern

Seine Umzugskisten hat er noch nicht ganz ausgepackt, schließlich muss er ja auch proben und Text lernen. Aber die Stadt Frankfurt hat er sich schon etwas erlaufen. „Wenn ich in eine neue Stadt komme, dann gehe ich immer viel zu Fuß. Aber nicht, weil ich ein besonderes Ziel hätte. Ich spaziere durch die Stadt und lasse sie auf mich wirken.“

Und Frankfurt findet er viel schöner, als er gedacht hätte. „Härter und kälter“ habe er sich die Bankenmetropole vorgestellt. Bei seinen Stadterkundungen nimmt er als Schauspieler natürlich nicht nur die Architektur war, sondern auch die Menschen. „Aber es ist nicht so, dass ich mich dabei bewusst als Menschensammler betätige“, sagt er grinsend. „Ich habe dabei nicht dauernd meinen Beruf im Hinterkopf und schaue, aha, der bewegt sich so und der bewegt sich so. Aber natürlich kann es sein, dass mir dann bei Proben etwas Gesehenes wieder einfällt.“

Nils Kahnwald spielt in der Uraufführung „Abgesoffen“ nach dem gleichnamigen Roman von Carlos Eugenio López einen von zwei Auftragskillern, die eine Leiche im Kofferraum ihres Autos haben und sich über Gott und die Welt unterhalten. „Ich würde sagen, dass es eigentlich ein Stück über Freundschaft ist im weitesten Sinne. Denn vielmehr als um den Mord geht es um die Beziehung zwischen den beiden. Das ist das, was ich versuche aufzunehmen. Ich habe nicht versucht, mich in einen Mörder einzufühlen. Ich bin ja Schauspieler.“ Er lacht. Und das klingt nach einem selbstbewussten Anfang.

Quelle: op-online.de

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