Keinen Zugang zur Musik gefunden

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Dietrich Greve in der Titelrolle, Patricia Roach und Chor in einer Szene aus Bergs „Wozzeck“ in Mainz.

Eigentlich lässt sich Alban Bergs „Wozzeck“ kaum falsch inszenieren. Dafür ist der getriebene Soldat in der Oper nach Georg Büchners Drama starke Bühnenfigur genug. Von Axel Zibulski

Dieser „Wozzeck“, wie Woyzeck in Bergs 1925 uraufgeführter Oper heißt, muss neben seinem militärischen Dienst medizinische Experimente und diverse Hilfsarbeiten ertragen; seine Frau Marie, bei der er im mittleren der drei Akte pflichtschuldig das karge Einkommen abliefert, geht mit dem strammen Tambourmajor fremd. Wozzeck ermordet am Ende seine Marie.

Nächste Vorstellungen heute, 14., 24. und 26. April sowie 17., 22. und 27. Mai

Dass sich Bergs „Wozzeck“ trotzdem fehlinszenieren lässt, ist am Staatstheater Mainz zu erleben. Dessen Intendant Matthias Fontheim lässt das Werk auf der karg gefliesten, im Hintergrund von einem Wassergraben durchzogenen Bühne von Susanne Maier-Staufen spielen – ein Abgrund, wie er ihn in der Musik nicht zu finden scheint; zu ihr entwickelt er keinen Zugang.

So wird bereits der Beginn verspielt: Statt unmittelbar in die Eingangsszene einzusteigen, in der Wozzeck seinen Hauptmann rasiert, muss dieser erst an den Stahlwänden der Bühne schaben. Später proben Go-Go-Girls den Hüftschwung – das ist bei allem Respekt vor szenischen Freiheiten überhaupt nicht vereinbar mit Bergs kühner, immer noch modern wirkender Partitur. Die Militärparade in der dritten Szene des ersten Akts ist kein bedrohlicher Aufmarsch von Autorität, sondern eine pantomimische Lachnummer. Und so weiter. Fontheim kann mit der Musik wenig anfangen, und so versetzt er die Opernbühne in meist beliebige Bewegungen. Schade, denn dafür ist „Wozzeck“ zu sehr Meisterwerk.

Davon gibt vokal immerhin Dietrich Greve als schmächtiger Wozzeck mit gelöster Krawatte eine Ahnung: Seine samtiger, deutlich lyrisch geprägter, wenngleich nicht sehr voluminöser Bariton hätte zu einer differenzierteren szenischen Profilierung der Titelfigur geradezu eingeladen. Da das Orchester unter Leitung seiner Generalmusikdirektorin Catherine Rückwardt zudem farblich so differenziert wie möglich und nicht nur im Lauten meist stimmig spielt, ist für eine weitgehend solide musikalische Umsetzung des Werks gesorgt. Alexander Spemann als tenoral bemühter Tambourmajor fällt dagegen ab, erst recht Abbie Furmansky, als Marie intonatorisch spürbar unvertraut mit Bergs musikalischer Zwölfton-Textur und zudem mit trockenem, unausgeruhtem Sopran singend. Der Eindruck, dass sich das Staatstheater als Haus mittlerer Größe mit einer der größten Opern des 20. Jahrhunderts übernommen hat, bleibt somit letztlich im Raum.

Quelle: op-online.de

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