Shakespeares „Komödie der Irrungen“

Burgfestspiele: Keiner blickt durch

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Shakespeare & Partner gastierten mit ihrer „Komödie der Irrungen“ in Dreieichenhain.

Dreieich - Genussvolles Verwirrspiel: Shakespeare & Partner gastierten mit ihrer „Komödie der Irrungen“ in Dreieichenhain bei den Burgfestspielen. Von Eva Schumann

Zwillinge und die unvermeidlichen Verwechslungen sind ein ideales Komödienthema. Kein Wunder, dass auch Shakespeare es sich nicht entgehen ließ

In seiner „Comedy of Errors“, angelehnt an ein Stück des antiken Autors Plautus, sind die Irrtümer so weit getrieben, dass bald keiner mehr durchblickt. Den gleichnamigen Zwillingen Antipholus gibt er ein weiteres Zwillingspaar namens Dromio als Diener zur Seite. Vom Schicksal getrennt, kommen die Paare in Ephesus zusammen. Doch bevor sie einander treffen, werden sie und ihre Mitmenschen vom Verwechslungschaos arg gebeutelt.

Die Theatertruppe „Shakespeare & Partner“ ließ das Publikum auf der Hayner Burg genussvoll an der Verwirrung teilnehmen. Sie war umso effektvoller, als Andreas Erfurth beide Antipholus´ und Sebastian Bischoff beide Dromios verkörperten, die sie jeweils mit feinen Nuancen charakterisierten. Während das Publikum kombiniert, wann es sich um Antipholus aus Syrakus und wann um Antipholus von Ephesus handelt, haben die armen Dromios keinerlei Durchblick. Wie soll Dromio aus Ephesus begreifen, weshalb sein Herr nach dem angeblich ihm anvertrauten Geld fragt, von dem er nichts weiß? Und warum er leugnet, mit der Frau verheiratet zu sein, die ihn zum Essen rufen lässt?

Schauspieler in mehreren Rollen

Bischoff fegt in beiderlei Gestalt als ebenso dienstbereiter wie ahnungsloser Diener rasant über die Bühne, mehr oder weniger aufsässig und stets wortgewandt. Mehrere Rollen übernehmen fast alle Schauspieler. Kai Frederic Schrickel versteht es geschickt, mitten auf der Bühne jeweils vom Herzog Solinus zum angeklagten Syrakuser Ägeon und obendrein noch zu einem Büttel zu wechseln.

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Außerdem wird er als Kaufmann gebraucht. Johanna von Gagern tritt als feministisch angehauchte Schwester der Gattin des Epheser Zwillings auf und verwandelt sich dann in eine verführerische Kurtisane. Viel Beifall erhielt auch Dierk Prawdzik, der sich vom Goldschmied Angelo zum exorzistischen Arzt Dr. Pinch und zu einer Äbtissin steigerte. Trotz hünenhafter Gestalt konnte er sich gar glaubhaft als Mutter der Antipholus-Zwillinge entpuppen. Die Ausstattung von Susanne Füller und die Kostüme von Ulrike Eisenreich helfen mit einfachsten Mitteln bei der Verwandlung.

In der Übersetzung von E. S. Lauterbach und unter der Regie des indischen Regisseurs Kenneth Philip George kommt die aufgeführte Version mit wenigen Kürzungen aus und nimmt das Original ernst. Doch fehlt es nicht am Mut zum durchaus angebrachten Slapstick. Albern wirkt die Darstellung der Antipholus-Gattin durch Rike Joeinig, die mit ständigem Gekreisch eine wahre Zicken-Karikatur darstellt. Trotz gutem Teamspiel verraten die Varianten im Stil der fast rundum vortrefflichen Deklamation die unterschiedliche Schulung der Schauspieler, ob in Berlin, Stuttgart, München, Wien oder der Schweiz. Die Stimmung des vielleicht zunächst verunsicherten Publikums stieg gegen Ende. Nach der finalen rührenden Familienszene erhielt die Truppe kräftigen Beifall.

Quelle: op-online.de

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