Kekse und Kandinsky

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Was kosten Seidenstrümpfe? Sarah C. Baumann ermittelt als „Prinzessin“.

Jede Nacht, wenn seine Nachbarin aufgekratzt von der Arbeit nach Hause kommt, verursacht sie einen solchen Lärm, dass der Schriftsteller Armando um seinen Schlaf gebracht wird. Von Franziska Ehrhardt

Eines Nachts platzt ihm der Kragen, er will die Verursacherin zur Rede stellen, und so trifft der kauzige Armando zum ersten Mal auf seine bislang unbekannte Nachbarin – die charmante „Prinzessin“, die dem ältesten Gewerbe der Welt nachgeht. Damit nimmt im Offenbacher T-Raum eine freche und romantische Geschichte über die Begegnung zweier Menschen ihren Lauf, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Weitere Vorstellungen am 19. und 26. Dezember sowie am 2., 15., 16. und 23. Januar 2010, jeweils 20 Uhr.

Der weltfremde Armando (Frank Geisler), etwas skurril und ziemlich verkopft, konfrontiert die Prostituierte (Sarah C. Baumann) nicht nur mit seinem blau-weiß gestreiften Pyjama und Filzpantoffeln, sondern auch mit recht merkwürdigen Ansichten. So attestiert er ihr gleich einen Schuldkomplex, ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Arbeit, und lässt sie wissen, dass wahre Keuschheit im Herzen steckt und nicht weiter unten. Die „Prinzessin“ hingegen denkt über die Preise von Seidenstrümpfen nach, während Armando eher das Schicksal der Menschheit beschäftigt. Bei so viel Zündstoff gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Die beiden gehen sich früher oder später an die Gurgel, oder sie verlieben sich ineinander.

Zwischen sinnieren und streiten

Bis das eine oder das andere eintritt, kann man die unterhaltsame Konfrontation zweier so unterschiedlicher Universen genüsslich auskosten. Die intelligente Zweipersonen-Komödie „Ein wunderbar leichtes Mädchen“ von Nino Manfredi und Nino Marino lebt nicht nur von der Begegnung zweier grundverschiedener Charaktere, sondern auch von viel Wortwitz und mitreißenden, spannenden Dialogen.

Frank Geisler und Sarah C. Baumann sinnieren und streiten, lachen und lamentieren in der Inszenierung von Alexandra Odri. Dabei geht es um Armandos schmierigen Verleger für sein neues Drehbuch ebenso wie um den Traum vom eigenen Kettenkarussell, um Doppelmoral, Kekse und Kandinsky, um Ironie und Mäuse in der Kürbiskutsche.

Quelle: op-online.de

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