Farben und Formen

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Farbräume und Landschaften erkundet Richard Köhler.

Offenbach - „Über-Malungen“ nennen Kerstin Zollna und Richard Köhler ihre Werkreihe, die sich in der BOK-Galerie durchaus unterschiedlich darstellt. Von Reinhold Gries 

Zollnas keramische Skulpturen, Übermalungen und Gemälde haben oft deutlichen Gegenstandsbezug, Köhlers völlig abstrahierte „Landschaften“ und Farbräume aus Pigmenten erkunden ausschließlich die Farbmaterie und ihre Schichtungen. Zollna hat sich, außer bei übermalten Zeitungsseiten wie in „Schwiegermuttersessel“, von früherer Pop-Ironie abgelöst. Geblieben sind Serien, die sie zuweilen über Jahre variiert, „bis sie nichts mehr hergeben“. Was man von ihr im „Salon 13“ sieht, gibt eine Menge her. Aus Karl Blossfeldts streng stilisierten Pionierfotos „Urformen in der Natur“ hat sie Keramikstelen übersetzt. Mit Blossfeldts Fotos teilen Zollnas Raumgebilde - sie glasiert den Ton nie, bemalt dafür dessen raue Oberfläche mit Tusche - Vorliebe für Kastanien-, Essigbaum- oder Pappelzweige. Sie modelliert nach realen Stängeln und Knospen, verwandelt Naturhaftes dann aber zum Magischen wie afrikanischen Zeremonial-Stelen.

Kerstin Zollna zeigt Skulpturen nach Fotografien.

Organisches mit symmetrischer Strenge kombiniert eine Serie tunnelhafter verwucherter Platanenalleen aus pastos geschichteter Ölfarbe oder flirrenden Wasserfarben. Da kann es vorkommen, dass sich fahl leuchtende Laternenbögen um einen schattenhaften Regenschirmmann wie Großpflanzen ausnehmen. Zollnas Reise führt neuerdings zu virtuos aquarellierten Kleinformaten der „Raster“- und „Gitter“-Serie. In der Verwandlung der klassischen Moderne berühren sich diese Miniaturen mit Köhlers Karton-Großformaten, in denen der Frankfurter BOK-Künstler Naturlandschaften wie den Odenwälder Melibokus oder die Stadtlandschaft New Yorker Hochhäuser mitsamt jeweiligem Licht und Wetter verarbeitet.

„Über-Malungen - Kerstin Zollna und Richard Köhler“ bis 23. März in der BOK-Galerie Salon 13, Kaiserstraße 13, Offenbach. Geöffnet: Sonntag 15-18 Uhr, Mittwoch 17-20 Uhr

Das Motiv ist aber nur Impuls, an die sich ausgiebige Farbexpeditionen anschließen. Schicht für Schicht malt sich Köhler hinein in sein eigenes Universum gestisch-abstrakter Malerei. „Farbräume“ nennt er das, was er in prozesshaft entwickelter Serie von „offenen“ lichten und transparent bemalten Kartons bis zu undurchlässigen Bildverschließungen durcharbeitet. Darin gibt es keine klaren Konturen mehr, Farbwolken und Schleier fließen ebenso ineinander wie dynamisch breite Pinselspuren, die immer neu überdeckt werden und doch noch durchscheinen. „Mischwald“ nennt Köhler die gesamte Werkreihe, mit der er „die scheinbare Spaltung zwischen Wandmalerei, Kunst und sozialem Widerspruch“ aufheben will.

Was beim Einzelbild oft schwer fassbar ist, wird im Kontext der Malsequenz deutlich: Geistig-malerische Farbräume, die auch Emotionsräume sind, streben mit Wucht und Sensibilität zum Elementaren und Ursprünglichen.

Quelle: op-online.de

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