Kinder sind klüger als die Eltern

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Zwischen Ronja (Lisa Stiegler) und Birk (Benedikt Greiner) entwickelt sich eine Freundschaft – obwohl sie aus rivalisierenden Räuberfamilien stammen.

Sie hat den Gerechtigkeitssinn und den Mut von Pippi Langstrumpf, ist störrisch wie Karlsson vom Dach und lebt in einer Fantasiewelt: „Ronja Räubertochter“ tobt jetzt in Frankfurter Schauspielhaus. Von Maren Cornils 

Ronja, die Räubertochter, aus der Feder Astrid Lindgrens, erblickte  1981 das Licht der Welt und zog eine ganze Generation in den Bann. Entsprechend beliebt ist das Mädchen, das aus Freundschaft die Eltern verlässt, bei den heute 25- bis 30-Jährigen.

Nur oberflächlich geht es um spannende Abenteuer und das Leben auf einer Räuberburg – wie in vielen Lindgren-Büchern aber auch um Freundschaft, Erwachsenwerden und Verlust. Ein Stoff wie gemacht fürs Theater, fand Regisseur Matthias Schönfeldt – und brachte „Ronja Räubertochter“ in einer farbenfrohen, musikbetonten Fassung auf die Bühne des Schauspiels Frankfurt.

Zehn Jahre alt wird Ronja (Lisa Stiegler), Tochter von Lovis (Heidi Ecks) und dem bärbeißigen Räuber Mattis (Matthias Scheuring). Endlich darf das Mädchen die Mauern der Mattisburg verlassen und die Außenwelt erkunden. Gut gemeinte Tipps und die Warnung, sich vor Graugnomen, Wilddruden und dem Höllenschlund zu hüten, schon steht Ronja vor den Toren.

Ronja und Birk befreunden sich, trotz der Eltern

Nach tagelangen Erkundungen, bei denen sie lernt, wie gefährlich die fiesen Rumpelwichte sein können, begegnet Ronja dem gleichaltrigen Birk (Benedikt Greiner), Sohn von Mattis’ Kontrahenten Borka (Johannes Kühn). Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen wilder Räubertochter und fürsorglichem Räubersohn. Aber Ronja und Birk haben nicht mit ihren Eltern gerechnet. Erst als sie sich von ihnen lossagen und ausreißen, bemerken Borka und Mattis, dass es Wichtigeres gibt als ihre Fehde ...

Ronjas kunterbuntes Abentuer ist ab ab vier Jahre

Schönfeldt inszeniert für Kinder ab vier Jahren ein kunterbuntes Abenteuer, das von zwei starken Hauptfiguren und einem beeindruckenden Bühnenbild (Julia Hattenstein) lebt. Auf drei Ebenen findet der Abnabelungsprozess der Kinder statt – im Keller der Mattisburg, im von seltsamen Lebewesen bewohnten Wald und auf den Zinnen der Feste.

Genial der Hosenschisser-Song

Jammernde Bäume, echter Regen und furchteinflößende Wilddruden sind längst nicht alle Register, die Schönfeldt zieht. Da kommen Mattis’ Gesellen als langhaarige, in Leder gewandete Harley-Davidson-Club-Vertreter daher und Borkas Gang als barbrüstige, von einem Transvestiten (Christian Bo Salle) angeführte Bodybuilder. Vor lauter Rivalität bemerken die Banditen nicht, dass ihre Kinder gar nicht daran interessiert sind, in ihre Fußstapfen zu treten.

Dass es ein Theaterspaß für die ganze Familie ist, liegt an der Musik (Biber Gullatz) – genial der „Hosenschisser-Song“! – und an den gut aufgelegten Darstellern, denen man den Spaß an diesem mit viel Liebe inszenierten Kindermärchen mit ernstem Kern ansieht. Weitere Vorstellungen bis 26. Dezember

Quelle: op-online.de

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