Der King lebt!

Wacko Jacko (Irrer-Jacko), so nannten ihn die Presse und das gemeine Volk zuletzt eigentlich nur noch. Als King of Pop war er für die meisten schon lange tot. Doch nun, seit seinem plötzlichen Herzstillstand, ist Michael Jackson auf einmal wieder ganz oben: in den Charts, in der Presse, in den Herzen. Von Kathrin Rosendorff

Eine Frau, die vor seinem Haus Blumen ablegte, sagte im Fernsehen: „Manchmal merkt man erst, wenn jemand nicht mehr da ist, wie wichtig er einem eigentlich war.“ Michael Jackson ist der Elvis unserer Generation. Genial und unerreichbar weit weg in seiner Neverland-Welt verschanzt – und doch sind wir mit ihm groß geworden. Als in der Pubertät steckendes Mädchen hängte ich den schon damals zunehmend bleichen, geschlechtslos wirkenden Michael über mein Bett. Und ich versuchte mich am Moonwalk: Meine Freundin war für die Lichtshow zuständig. Sie fuchtelte heftig mit zwei Taschenlampen umher, und ich tanzte – mehr wild als virtuos. An seinem Todestag war ich in London. Im „Underground“ strömten ein paar schwarze Jugendliche plötzlich an mir vorbei, gekleidet waren sie wie die Straßenclique aus Jackos „Bad“-Video, das seinerzeit im New Yorker U-Bahn-System gedreht wurde. Sie sangen und tanzten. Einer hatte, wie einst Michael Jackson, seine Hand in einen schwarzen Lederhandschuh gehüllt und streckte sie nach oben, begleitet von Jackos Kreisch-Geräuschen. Ein Saxophonist stimmte mit ein. Der U-Bahn-Wind blies uns ins Gesicht. Spätestens da war mir bewusst: Der King of Pop lebt weiter.

Quelle: op-online.de

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