Kinosituation in der Region

Filme und das gewisse Etwas

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Jürgen Seebacher schließt seine Langener Kinos.

Offenbach - Die Langener Kinowelt ist seit Anfang Juli nicht mehr so, wie sie war: Schweren Herzens hat Jürgen Seebacher, Betreiber der Lichtburg Kinos und des Neuen UT das Aus der Lichtspielhäuser für Ende August angekündigt. Von unseren Redaktionen

Wirtschaftliche Gründe sind’s, die ihn nach 17 Jahren aufgeben lassen: Einerseits die unumgängliche Investition in Digitaltechnik, andererseits die aus Sicherheitsgründen unaufschiebbare Sanierung und Modernisierung der Immobilien, die Seebacher nicht gehören. „Wer wollte vor diesem Hintergrund sechsstellige Summen stemmen, noch dazu als Einzelkämpfer?“, fragt er. Und so gilt momentan, dass Langen ab September ohne Kinos dastehen wird. Die Nachricht hat viele in der Stadt bestürzt. „An den Besucherzahlen liegt es gewiss nicht“, betont Jürgen Seebacher. „Die haben uns, wie es in einem Stadtkino unserer Größenordnung nun mal an der Tagesordnung ist, nicht reich gemacht, aber sehr wohl ein Auskommen gegeben.“ Nun aber sei eine Grenze erreicht, die zu überschreiten der „Cineast Seebacher“ dem „Kaufmann Seebacher“ nicht mal ansatzweise schön reden könne. „Manch anderer hätte wohl schon früher die Reißleine gezogen“, sinniert er. „Aber ich habe nun mal eine ganz eigene Auffassung davon, was Kinokultur ausmacht.“

In Dreieich weiterhin zwei Kinos

Ganz anders sieht die Situation in Dreieich aus. Dort wird es mit dem Rex an der Frankfurter Straße und dem Viktoria in der Offenbacher Straße auch weiterhin zwei Kinos geben. Das Rex, das auf 60 Jahre zurückblicken kann, verfügt über 251 Plätze und wurde im vergangenen Jahr mit moderner digitaler Technik ausgestattet, so dass auch 3D-Filme gezeigt werden können. Die Kosten für die Umstellung bezifferte Stephan Kreisel, der beide Kinos mit seiner Mutter Brigitte betreibt, auf 80 000 Euro. Die Investition hat sich seinen Angaben nach gelohnt. Das Rex erlebte im vergangenen Jahr einen Aufschwung. Das Viktoria-Kino ist noch älter und wurde 1920 eröffnet. Dort laufen vorwiegend ältere und unbekanntere Filme. Es gibt aber auch Reihen wie beispielsweise die der evangelischen Erwachsenenbildung. Kreisel spielt mit dem Gedanken, auch das Viktoria auf digitale Technik umzurüsten.

Die Neuen Lichtspiele am Ortseingang von Urberach sind zwar Rödermarks letztes Kino, doch alles andere als eine Hightech-Vergnügungsstätte mit Popcorn, Cola und ein paar Blockbustern. Inhaberin Monika Köhler hat den Familienbetrieb vor Jahren mit digitaler Vorführtechnik modernisiert. Doch das ist nicht der Grund, warum die Neuen Lichtspiele unter der Woche überdurchschnittlich gut besucht sind. Monika Köhler hat im Jahr 2000 zusammen mit der Stadt die Reihe „Film des Monats“ initiiert. Dann läuft anspruchsvolle Kinokost. Ursprünglich zeigten die Neuen Lichtspiele diese Filme immer am ersten Dienstag eines Monats. Doch der Zuspruch war so groß, dass auch der zweite Dienstag zum festen Vorführtermin wurde. Besonders interessante Filme laufen sogar drei Mal. Das Urberacher Kino mit seinen gerade 163 Plätzen scheint also seine Nische gefunden zu haben.

Tradition in der Region: Der „Kaisersaal“ in Münster ist Restaurant, Gästehaus und Kino. Robert Herzing zeigt ein Foto aus der Nachkriegszeit.

1936 kamen Elisabeth und Jacob Herzing nach Münster und übernahmen das bestehende Kino Stocker. Die Herzings gründeten das „Kaisersaal“-Kino. Der „Kaisersaal“ ist zugleich Restaurant und Gästehaus. Mit der Umstellung auf digitale Technik im Herbst 2011 wurde unter anderem die Tonanlage erneuert, eine 40 Quadratmeter große Leinwand angebracht und eine Lüftungsanlage eingebaut. An den Kosten in Höhe von etwa 85 000 Euro beteiligten sich auch der Bund, das Land und die Filmförderung. Die Einrichtung des Kinosaals hat den Umbau jedoch überdauert. So stehen dort zum Beispiel nach wie vor alte Plüschsofas, die viel Beinfreiheit bieten. Für Getränke und Snacks gibt es zudem eine breite Ablage. Das Kino hat 194 Plätze. Zu sehen sind dort aktuelle und besondere Filme, etwa in der Reihe „Cinema Plus“, die in Kooperation mit der Gemeinde entstanden ist. Dabei wirken Kinogäste an der Filmauswahl mit, 2012 haben sich 150 Zuschauer an der Zusammenstellung des Jahresprogramms beteiligt. Zusätzlich zu den ausgewählten Filmen zeigt das Kino samstags immer einen Kinderfilm.

Vor acht Jahren übernahm Peter Schlosser das 1936 eröffnete Turm-Palast Kino in der Seligenstädter Bahnhofstraße, dessen zwei Säle jeweils 180 und 100 Zuschauer fassen. Vergangenes Jahr stellte der Turm-Palast auf digitale Technik um. Die Ausstattung entspricht nun dem Standard großer Kinoketten. Auch das Interieur wurde umfassend modernisiert. Auf 3D-Technik verzichtet der Betreiber jedoch. Vielmehr will er Familien mit Kindern Abwechslung bieten. Das Programm reicht von Blockbustern bis zu ausgewählten Filmperlen. Das Kino ist der „Filmkunst in Hessen“ angeschlossen, einem vom Land Hessen geförderten Projekt. Jeden Dienstag läuft daher eine Produktion, die in den meisten Kinos nicht angeboten wird. Schlosser will sich mit speziellen Vorstellungen und Veranstaltungen zudem von Kino-Ketten abgrenzen.

hob/hok/fab/skr

Quelle: op-online.de

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