Verbotene Früchte

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Die Mauerblümchen (Susanne Huber, Jacques Breuer) schwören feuchtfröhlich Rache.

Frankfurt - Mit Komödien ist es nicht selten wie mit Witzen: Je älter sie sind, desto abgegriffener ist der Humor. Bei einer Komödie, die beinahe 100 Jahre auf dem Buckel hat, ist daher Vorsicht angesagt. Von Maren Cornils

Regisseur Udo Schürmer hat sich dennoch an Avery Hopwoods 1915 uraufgeführten „Mustergatten“, in dessen Hauptrolle schon Heinz Rühmann brillierte, gewagt und daraus im Theater „Die Komödie“ ein überaus erfrischendes und kurzweiliges Stück um Ehefrust und den Reiz verbotener Früchte gemacht. Dass das etwas betuliche Stück um einen allzu biederen Gatten und dessen abenteuerlustige Frau auch im 21. Jahrhundert noch Pep hat, ist ganz wesentlich der brillanten Darstellerriege zu verdanken.

Manni (Jacques Breuer) hat eigentlich alles, was sich Frauen von einem Ehemann wünschen: Er verdient gut, ist aufmerksam, tolerant, trägt seine Frau auf Händen und bekommt sogar mit, wenn diese sich eine neue Frisur zugelegt hat. „Total langweilig“ beschwert sich Gattin Martina (Viola Wedekind, auch im wahren Leben Breuers bessere Hälfte), die daher ungeniert mit Schwerenöter Freddy von Hohmeyer (Jens Hajek) schäkert, der freilich weniger an Frisur oder Gefühlslage als an der Körbchengröße seines Gegenübers interessiert ist.

Als Martina Manni eröffnet, sie wolle sich scheiden lassen, nimmt das Verhängnis seinen Lauf, denn der düpierte Gatte wird erst von Kumpel Jochen (Dirk Waanders) in die Geheimnisse des Fremdgehens eingeweiht und dann solidarisiert er sich mit dessen ebenfalls betrogener Frau (Susanne Huber). Im Verlauf eines so fröhlichen wie feuchten Abends schwören die sitzen gelassenen Mauerblümchen Rache.

Jacques Breuer gibt Banker Manni als braven, etwas tollpatschigen Biedermann, der einem ob seiner verzogenen Ehefrau beinahe leid tut. Viola Wedekind zieht als gelangweilte Gattin alle Register, gibt mal die verwöhnte Göre, dann wieder die verruchte Verführerin und kommt dabei nicht unbedingt sympathisch rüber. Susanne Huber läuft dagegen zur Höchstform auf. In dieser entstaubten Form verfügt der Klassiker auch heute noch über hohes Gag-Potenzial.

Quelle: op-online.de

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