Kleine Hexe mit großem Herzen

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Die kleine Hexe (Renate Gärtner) schlägt aus der Art.

Frankfurt - Richtig gute Literatur ist daran zu erkennen, dass sie nie aus der Mode kommt. Das gilt auch und vor allem für Kinder- und Jugendbücher. Ottfried Preußlers 1957 erschienene Geschichte „Die kleine Hexe“ ist so ein Meisterwerk. Von Maren Cornils

Und wäre der mittlerweile 88-jährige Erfolgsautor im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt zu Gast gewesen, er hätte mit Freude festgestellt, dass seine Erzählung um die widerborstige und viel zu gutmütige kleine Hexe auch heute noch kleine und große Zuschauer begeistert.

Aufgeführt wurde Preußlers Stück vom Musiktheater Papageno, das für seine mit viel Liebe zum Detail inszenierten Aufführungen bekannt ist und dessen alljährliches Weihnachtsstück bei Eltern wie bei Kindern fest im adventlichen Terminplan vorgemerkt ist. Wie in den Jahren zuvor hat Regisseur und Theatergründer Hans-Dieter Maienschein auch diesmal ein eng am Original orientiertes, mit klassischen Klängen von Tschaikowsky, Orff, Offenbach und anderen unterlegtes Musiktheater gezaubert, das seine Zuschauer in die magische Welt der verstrubbelten Weltverbesserin entführt.

127 Lenze zählt die kleine Hexe

127 Lenze zählt die kleine Hexe (Renate Gärtner); ein Alter, in dem sie noch nicht an der Walpurgisnacht der älteren Hexen teilnehmen darf. Als sie beim heimlichen Mitfeiern erwischt wird, erhält sie prompt eine Strafe aufgebrummt, die sich gewaschen hat: Ein Jahr lang muss sie beweisen, dass sie das Hexen aus dem Effeff beherrscht und einer Teilnahme an der Hexenfeier würdig ist.

Für die kleine Hexe kein Problem. Ganz gleich, ob ihr am Hungertuch nagende Holzweiber, ein verschnupfter Maroni-Verkäufer oder ein herrschsüchtiger Förster begegnen – stets hext sie unter dem wohlwollenden Blick ihres treuen Raben Abraxas (Hans-Dieter Maienschein) mit viel Abrakadabra Simsalabim die Armen reich, die Unglücklichen glücklich und verwandelt die Bösen in milde gestimmte Gutmenschen. Nicht unbedingt zum Gefallen der Oberhexe (Sven Marko Schmidt) und ihrer Konkurrentin Rumpumpel (Michaela Conrad), wie sich am Ende, bei der großen Walpurgisnacht-Prüfung, herausstellen soll.

Zuschauer erleben die guten Taten der kleinen Hexe

Während Preußlers Geschichte mit dem heimlichen Walpurgisnachtauftritt der kleinen Hexe und ihrer unstandesgemäßen Heimreise – nachdem ihr Besen vernichtet wurde, muss sie zu Fuß nach Hause laufen – beginnt, setzt Maienscheins Inszenierung erst ein Jahr später, am Tag vor der großen Prüfung, ein. In einzelnen Szenen erleben die Zuschauer die guten Taten der kleinen Hexe im Rückblick, um im zweiten Teil der Aufführung dem Hexen-Sabbat beizuwohnen. Dass hakennasige Wald-, Wiesen-, Sumpf- und Moorhexen mit einer ausgelassenen Polka aufwarten, steht so bei Preußler nicht geschrieben, zählt aber zu den vielen netten Ideen, die sich Maienschein und seine Schauspieler ausgedacht haben, um das Stück auf die Bühne zu holen.

Kurzum: Ein Weihnachtsstück mit viel Herz, farbenfrohen Kostümen und spielfreudigem Ensemble!

Dass er nicht nur Regie zu führen, sondern auch hervorragend zu schauspielern versteht, beweist Maienschein, indem er selbst in das golden glitzernde Rabenkostüm schlüpft und als übergroßer Begleiter der kleinen Hexe tapfer 90 Minuten lang durchschwitzt. Dass er am Ende ebenso mit einem Riesenbeifall belohnt wird wie seine Freundin, versteht sich von selbst.

Quelle: op-online.de

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