Kleiner Wolf mit Schluckauf

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Zahlreiche liebenswert gezeichnete Tierfiguren prägen Michael Deckners Inszenierung des Märchens „Der alte Sultan“ im Hanauer Amphitheater.

Das am häufigsten verwendete Wort heißt „Tschuldigung“. Es kommt immer, wenn der kleine Wolf Lupillo von nervösem Schluckauf geplagt wird. Und das wird er ständig. Sein Schluckauf gluckst als Running Gag durch die Inszenierung „Der alte Sultan“. Das zweite von vier Stücken hatte jetzt bei den 25. Brüder-Grimm-Märchenfestspielen im Hanauer Amphitheater Premiere. Von Christian Spindler

Der Schluckauf-Wolf ist nur einer von etlichen gelungenen Einfällen, mit denen Autor und Regisseur Michael Deckner aufwartet, der zum zweiten Mal bei den größten hessischen Festspielen tätig ist und ein köstlich heiteres Kinder- und Familienstück auf die Bühne bringt. Er hat das relativ kurze Märchen vom alten Hirtenhund Sultan, der erschossen werden soll, mit Hilfe der Wölfe bei einem Bauernehepaar aber zum Helden wird, schändlichen Gegenleistungen für die Hilfe entsagt und in Treue fest zu seinen Herren steht, geschickt um Figuren und Rahmenhandlung erweitert.

Das Märchen wird gleichsam als Theater im Theater von einer Gauklertruppe aufgeführt. Da treten die Darsteller auch schon mal kurz aus ihrer Rolle und der Theaterdirektor (Helmut Potthoff) mahnt seine Mimen, gefälligst nicht zu monologisieren, wenn etwa die dreibeinige Katze (Nadine Buchet) immer wieder die Geschichte von ihrem Unfall erzählen will.

Das empfehlenswerte Stück „Der alte Sultan“, mit eingängigen Liedern aus der Feder von Peter Richter garniert, ist das nächste Mal am 27. und 28. Juni zu sehen. Neun weitere Aufführungen folgen.

„So fröhlich wie möglich“, hatte Deckner angekündigt, wolle er das Märchen inszenieren. Und er hat Wort gehalten. Wenn der böse Wolf Lupo (Klaus Philipp) Zigarre raucht, mit Karpaten-Akzent spricht und bei Spieleabenden mit seinem kleinen Kumpan Lupillo (Christian Furrer) lieber Schafkopf statt „Wolf ärgere Dich nicht“ spielen will, ist das ebenso komisch wie die Liaison von Wildschwein Hubert (Martin Schlager) mit dem ausgebüchsten Hausschwein Rosa (Corinna Maria Lechler). Denn Keiler Hubert spricht vorzugsweise in Reimen, damit er nicht stottert.

Es sind die liebenswert gezeichneten, manchmal etwas schusselig-schrulligen Tierfiguren, die diese quirlige Inszenierung prägen, kurzweilige Unterhaltung bescheren und für herzhafte Lacher sorgen. Mit großer Spielfreunde geht das neunköpfige Ensemble zu Werk, aus dem Hauptdarsteller Detlev Nyga ebenso herausragt wie Klaus Philipp, Nadine Buchert und Corinna Maria Lechler sowie die Festspiel-Neulinge Christian Furrer und Martin Schlager.

Bei den bis 2. August dauernden Brüder-Grimm-Festspielen stehen neben dem bereits angelaufenen Musical „Dornröschen“ noch „Das blaue Licht“ (Premiere: 12. Juni) und das italienische Märchen „Cassandrino, der Meisterdieb“ (ab 19. Juni) auf dem Programm.

http://www.brueder-grimm-maerchenfestspiele.de

Es mag leichte Kost sein, die Deckner mit seiner auch für kleinere Kinder geeigneten Bühnenfassung serviert. Die aber ist höchst schmackhaft; wohl auch deshalb, weil er auf aufdringliches Moralisieren verzichtet. So setzt auch das Ende, wenn die anderen Tiere die beiden Wölfe mit einer lustigen Demo für Grünzeug, Obst und gesunde Ernährung zu Vegetariern bekehren, eine gelungene und beschwingte Pointe.

Quelle: op-online.de

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