Erinnerung an Offenbacher Schriftkünstler

Universum an Ideen

+
Das Klingspor-Museum beleuchtet Werk und Wirkung.

Offenbach - Es ist kein Zufall, dass in Offenbachs Klingspor-Museum Schriftteppiche der Werkstatt Rudolf Koch wie ein Ehrenportal zur Gedenkausstellung „Karlgeorg Hoefer zum 100. Geburtstag“ gehängt sind. Von Reinhold Gries

Obwohl der am 6. Juli Februar 1914 in Schlesien geborene Schriftkünstler beim Beginn des Studiums 1937 sein Vorbild nicht mehr lebend antraf: Kochs Kunst war Triebfeder, nach Offenbach zu kommen. Wie dieser versammelte Hoefer ab 1946 als Dozent für Schriftkunst Studenten in der Werkkunstschule um sich. Nach der Emeritierung richtete er wie Koch eine „Schreibwerkstatt“ ein. Wie Koch mischte er im Schaffen wie im Lehren Bescheidenheit mit enormer Kreativität.

Weggefährte Gottfried Pott brachte es auf den Punkt: „Hoefer ist Offenbach. Seine Stadt machte er auf vielen Workshops in den USA bekannt, von wo renommierte Kalligraphie-Professoren zu Hoefers Sommerkursen auf die Rosenhöhe kamen. Offenbacher Schriftkreativität hat er in die Welt getragen. Ohne Angst vor leeren Blättern legte er los mit viel Schwung, sagenhaftem Gefühl für Abstraktion und Formatsicherheit.“

Davon kann man sich überzeugen im mit Hoefer kooperierenden Klingspor-Museum, das seine Schatzkammer geöffnet und um Leihgaben von Hoefers Sohn Otmar bereichert hat. Dabei wird nicht nur der im Jahr 2000 verstorbene Künstler transparent, sondern auch der Menschen- und Literaturfreund, der innovative Typograph und Vermittler. Auch darin gleicht er Koch.

Wie beider Erbe weiterlebt, zeigt eine Reihe vorzüglicher Arbeiten der 1987 gegründeten „Schreibwerkstatt Klingspor Offenbach“. Schriftprofessor Pott hat Hoefer ein expressives Blatt gewidmet, Schriftkünstler Hans Schmidt schickt „KGH“ blaue Versalien hinterher als „Gruß ins Jenseits“. Aus den Arbeiten spricht Verehrung. Dazu ist die komplette Namensliste der ersten Teilnehmer von Hoefers Kalligraphiekurs mit Tusche auf Goldfolie verewigt.

Erinnerung an prägende Jahrzehnte

Seine Arbeiten öffnen ein Universum an Ideen. Es reicht von einer rhythmischen „Symphonie in Buchstaben“ und Buchstaben-Gestalten zu Hesses „Glasperlenspiel“ über dynamische Pinselspiele auf einem Leporello und vielen Blättern bis zu originellen Mischungen. Dann Hoefers digitale Schriftfindungen wie seine „fälschungserschwerende FE-Schrift“ für Auto-Kennzeichen, mit der wir seit 1994 herumfahren.

Hoefers Weltanschauung geht mit dessen Schriftschwüngen perfekte Symbiosen ein, nicht nur in der Radierung „Frieden. Peace“ oder Scherenschnittschriften zu Schillers „Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann“ und Goethes „Wir müssen alle schlechte Arbeit hassen lernen wie die Sünde“. Schriftblätter wie „Die einzige Freude auf der Welt ist das Anfangen“ oder Goethes „Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen, ein Werdender wird immer dankbar sein“ sprechen Bände. Dazu geben wundervolle Farbentwürfe und Schriftteppiche Einblicke in die Künstlerseele. Experimentell nicht nur das Blatt „ein tropfen tusche enthält eine welt“, aus einem Tuschetropfen entwickelt. Gemeinsame Arbeiten mit Ehefrau Maria erinnern an prägende Jahrzehnte in Offenbach. Pott fragte kürzlich: „Wann endlich benennt man in Offenbach eine Straße nach Karlgeorg und Maria Hoefer?“ 

Neueröffnung des OFC-Museums

Neueröffnung des OFC-Museums

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare