Ich bin digital, also bin ich

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Referent Professor Wolfgang Henseler ist Chef und Gründer der Offenbacher Firma Sensory Minds.

Offenbach - TED ist in diesem Fall kein System, das die Meinung von Fernsehzuschauern abfragt. Es steht vielmehr für Technology, Entertainment, Design. Von Thomas Kirstein

Über Technik, Unterhaltung und Gestaltung auf digitaler Basis tauschen sich jedes Jahr tausend Fachleute im kalifornischen Monterey aus. Bis zu 6000 Dollar kostet die Teilnahme. In Offenbach kam man deutlich billiger weg.

Und es waren auch nicht tausend, sondern nur etwas mehr als hundert, als die „TEDxRheinMain“ im Klingspormuseum Premiere feierte.

Veranstaltet hat ein Team um Initiator Darren Cooper; Museum, Wirtschaftsförderung, die Firmen Hakuhodo, Linotype und Sensory Minds unterstützten. Hochkarätige Referenten näherten sich dem Thema „Identitäten“. Motto: „Nothing stays the same. Not even you.“ Nichts und niemand bleibt gleich. Dem Anspruch, wertvolle Ideen vorzustellen, sei entsprochen worden, lautet das Fazit der Gruppe um Darren Cooper. Moderiert hat der Offenbacher „Internet-Guru“ Ossi Urchs.

Jeder Vortrag ist exakt 18 Minuten lang

Besonderheit von „TEDx“: Jeder Vortrag ist auf exakt 18 Minuten festgesetzt. So standen rund drei Stunden für unterschiedliche Betrachtungsweisen zur Verfügung. Den Anfang machte Philosophie-Professor Thomas Metzinger, der sich der Identität über Erfahrungen aus neurowissenschaftlichen Experimenten näherte. Es folgte Internet-Unternehmer Ibrahim Evsan mit der Frage, wie der Einzelne im Strom von Daten seine Identität behalten und vorteilhaft inszenieren kann. Per Video präsentierte die Künstlerin und Philosophin Professor Dr. Elisabeth von Samsonow ihr Konzept einer „kabellosen Mega-Confusion“ und deren Auswirkungen auf das Bewusstsein des Einzelnen. „Digito ergo sum“, so viel wie „ich bin digital, also bin ich“, befand der Offenbacher Professor Wolfgang Henseler (Gründer und Chef von „Sensory Minds“). Er führte durch die Welt der „digitalen Agenten“, die mehr und mehr ein „digitales Alter Ego“, hervorbrächten.

Persönliche und virtuelle Identität im Einklang

Mathematik-Professor Gunter Dueck, Chef-Technologe bei IBM Deutschland, veranschaulichte nicht nur mehrere Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte, sondern setzte sich auch der Frage auseinander, wie sich persönliche und virtuelle Identität in einer dynamischen Online-Welt in Einklang bringen lassen.

Die „TEDxRheinMain“ ist bald für jedermann nachvollziehbar. Mitschnitte werden als Webvideos auf der Internetseite zu finden sein.

Mit Nachhaltigkeit und Sinnstiftung der eigenen Identität setzte sich Steven Sasseville, Geschäftsführer der Offenbacher Werbefirma Cosalux auseinander. Im abschließenden Vortragsblock befasste sich Sina Kamala Kaufmann mit dem Homo Ludens, dem spielenden Menschen in „Social Gamings“, dem gemeinsamen Spiel auf Online-Plattformen. Daniel Kraft widmete sich der Frage, wie Organisationen und Unternehmen eine „wertvolle Identität“ kreieren können. Den Schlussakkord schlug Michael Altendorf mit seinen Gedanken zur Zukunft virtueller Identitäten an. Mit kritischen Randnotizen zur Privatheit im Netz gab er gute Impulse für die Gespräche unter den Teilnehmern.

Quelle: op-online.de

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