Klüpfel und Kobr im Offenbacher Capitol

Kluftinger als Pistenschreck

Offenbach - Im Offenbacher Capitol herrscht Weihnachtsstimmung, alles ist schön geschmückt. Volker Klüpfels und Michael Kobrs „Große Weihnachtsshow mit Klufti und Co.“ verbeitet aber ein ganz anderes Gefühl. Von Maren Cornils

Es ist ja nicht so, dass das Drumherum nicht festlich wäre: Am Bühnenrand im Offenbacher Capitol blinkt ein Weihnachtsbaum aus Plastik, auf dem Podium türmen sich Geschenke und im Hintergrund verbreitet eine weiße – vermutlich Allgäuer – Schneelandschaft Winterstimmung.

Dass es in Volker Klüpfel und Michael Kobrs „Großer Weihnachtsshow mit Klufti und Co.“ dennoch alles andere als besinnlich zugeht, liegt an dem Autorengespann, das mit dem Thema unkonventionell umgeht und stattdessen Werbung für seine Kluftinger-Krimis macht. Der tollpatschige Kommissar, der mit Vorliebe von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen steigt, hat an diesem Abend mehrere Auftritte, darf zum Beispiel in einem Kinderheim nach Raubgut suchen oder sich als Pistenschreck versuchen.

Prächtig amüsiert

Klüpfel und Kobr, die mit verteilten Rollen lesen, amüsieren sich dabei prächtig, fast so, als hätten sie die Geschichten gerade erst niedergeschrieben. Dass bei dem Allgäuer Kreativ-Team auch ohne feste Schreibabsichten die Ideen nur so sprühen, erweist sich bei der Geschenkpräsentation. Denn jeder der beiden hat an diesem Abend Präsente mitgebracht, die der andere auspacken muss. Zum Vorschein kommen grauenvolle Häkelmützen in erbsengrün, kitschige Papst-Büsten und andere Scheußlichkeiten, die alljährlich die Geschmacksverwirrung der Schenker beweisen, zur Gabentisch-Realität aber leider dazu gehören.

Dazwischen gibt es mehr oder weniger absurde Tipps rund ums „Fest der Liebe“ so wie den, zum Geschenke einwickeln doch mal einen BH zu verwenden oder die alte Langspielplatte mittels Hammer in eine verpackungsfähige Kompaktdisk zu verwandeln. Ernst ist das alles natürlich nicht gemeint, und Ernst ist auch eine Disziplin, die die beiden so gar nicht beherrschen.

Die Einparkqualitäten von Frauen

Was die Zuschauer in Offenbach stattdessen zu sehen bekommen, sind zwei große Jungs, die sich mit Begeisterung Beleidigungen an den Kopf werfen, selbigen gern auch mal in nicht ganz passenden Kopfschmuck – Taschen, Jutesäcke oder Büstenhalter – stecken und mit ihren derben Späßen über die Einparkqualitäten von Frauen und männliche Geschenkpanik auch noch Geld verdienen.

Für Kluftinger-Fans ist es ein unterhaltsamer Auftritt. Wer die Allgäuer Phantasiegestalt bislang nicht kannte, wird sich an diesem, nicht wirklich als Lesung zu bezeichnenden Abend freilich nicht für sie begeistern. Immerhin: Freunde schrägen Humors à la Badesalz kommen voll auf ihre Kosten, und manch einer ahnt: Wenn zwei in einem solchen Tempo ohne groß nachzudenken derartigen Blödsinn verzapfen können, dann geht ihnen der Stoff für die Kluftinger-Krimis in Zukunft so schnell nicht aus.

Quelle: op-online.de

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