„König Drosselbart“ feiert Premiere

Ein Plädoyer für die Liebe

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Verena Wüstkamp und Maximilian Rösler als Prinzessin und „König Drosselbart“.

Hanau - Das Märchen von König Drosselbart, die dritte Inszenierung der Brüder-Grimm-Märchenfestspiele in Hanau, ist ein emotionales Plädoyer für die Liebe und gegen den Krieg. Von Dieter Kögel

Vor allem gegen den Krieg im eigenen Inneren, der den Umgang mit seinen Nächsten ebenso prägt wie das Verhältnis zu anderen Staaten.

Demütigungen, zu hohe Erwartungen, falscher Stolz, verletzte Eitelkeit, all das sind Zutaten, die zu verheerenden Konflikten führen können. Bei König Drosselbart ist es grenzenloser Zorn, der ihn blind macht. Doch glücklicherweise gibt es im Märchenreich Figuren wie die Magier Perus (Marc Ermisch) und Ceridwen (Kathrin-Maren Enders), die Geschicke zum Guten beeinflussen können.

Es geht nachfühlbar um menschliche Schwächen

Der ehemalige Festspielleiter Dieter Gring benötigt in dem von ihm stammenden Buch zu der Inszenierung manchmal nur kleine Andeutungen, um den Nachhall aus der Märchenwelt in die reale Welt zu erzeugen, in der es leider keine solchen Magier mehr zu geben scheint. Regisseur Klaus Phillipp hat feinfühlig die passenden Bilder gefunden, und ein durchweg hochengagiertes Ensemble verleiht der Geschichte eine an Herz und Seele gehende Glaubhaftigkeit ohne Klischees bemühen zu müssen.

„König Drosselbart“ rührt an, weil es für den Zuschauer nachfühlbar um menschliche Schwächen und deren Überwindung geht. Nicht nur im Märchenland.

Verena Wüstkamp gibt die stolze und harte Prinzessin Serena mit Überzeugung. Mit geradezu sadistischer Freude kanzelt sie die um ihre Hand werbenden Prinzen ab, darunter auch Prinz Eskilvard (Maximilian Rösler), den sie als „Drosselbart“ verspottet. Das geht denn auch dem König (Rüdiger Potthoff) zu weit, der seine Tochter dem nächsten verspricht, der an die Tür des Schlosses klopft. Prinz Eskilvard hingegen will in seinem gekränkten Stolz zum großen Krieg mobilisieren, die Schmach mit Feuer und Schwert tilgen. Freund Jul (Benedikt Selzner) ist entsetzt über diesen Racheausbruch, kann den Prinzen jedoch nicht umstimmen.

Klare Botschaft in einer gelungenen Inszenierung

Das gelingt dem Magierduo, das dem Prinzen die Gestalt eines bettelnden Spielmanns verleiht, der als erster an die Pforte klopft und kopfüber mit Serena verheiratet wird. Für Drosselbart und Serena beginnt die Zeit der inneren Wandlung in einer ärmlichen Bleibe. Doch während der falsche Stolz langsam aus der Prinzessin weicht, sie sich plötzlich für die Schönheit des Sonnenaufgangs oder den Gesang der Vögel begeistern kann, sinnt Drosselbart auf immer neue Demütigungen und muss sich von den Zauberern sagen lassen, dass er „keinen Deut besser als Serena“ ist. So lernt jeder seine Lektion, und wo wahre Liebe wohnt, da hat Krieg keinen Platz. Mit Liebe lässt sich „kein Feuer machen“, und Liebe kann „keine Körbe flechten“, aber „sie macht uns zu Menschen“.

Eine klare Botschaft in einer gelungenen Inszenierung, die keineswegs mit einem Happyend schließt. Denn das letzte Bild gehört den streitenden Magiern, die gegenseitig in ihren uralten Wunden bohren. Wie stellt Perus doch so schön bei seinem langsamen Abgang schmunzelnd fest: „Ich bin auch nur ein Mensch.“ Ausklang mit einem lachenden Auge in einer ernsten Geschichte, die das Premierenpublikum mit Applaus im Stehen belohnte.

Quelle: op-online.de

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