Komisches in aller Kürze

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„Spanische Stunde“ mit Liebhabern im Uhrenkasten: Hye-Soo Sonn, Erik Biegel und Jonas Gudmundsson (von links) singen in Ravels Oper.

Liebe und Tod, das Umfeld heiter. In Maurice Ravels Oper „Die spanische Stunde“ geben sich die Anbeter der schönen Concepción ein Stelldichein; in Giacomo Puccinis „Gian ni Schicchi“ erbgierige Verwandte, die der Titelheld zu seinem Vorteil hinters Licht führt. Von Axel Zibulski

Im Großen Haus des Wiesbadener Staatstheaters hat Regisseur Carlos Wagner diese zwei Buffo-Einakter auf die Bühne gebracht. Das Publikum nahm beide positiv auf.  Reichlich bühnenkomisches Potenzial hat der Bulgare Kiril Manolov, der im zweiten Teil der Neuproduktion mit grandioser Spiellaune und trotz körperlicher Fülle geschmeidigem Bariton das Schlitzohr Schicchi gibt. Dieser Einakter ist herausgelöst aus der erstmals 1918 in New York gezeigten Trias „Il Trittico“ und von Carlos Wagner szenisch eher lose mit Ravels sieben Jahre früher in Paris uraufgeführter Oper gekoppelt worden.

Holzkisten prägen in beiden Stücken das helle Bühnenbild von Connor Murphy. In Ravels Uhrmacherwerkstatt empfängt die hübsche Spanierin Concepción ihre Verehrer, während ihr Gatte Torquemada (Erik Biegel) seine Runden in Toledo dreht. Da gerät gleich zu Beginn die Zeit aus den Fugen, eingangs springen per Projektion auf den noch geschlossenen Vorhang die Stunden und Minuten wie zufällig durcheinander.

Weniger surreal als handfest komödiantisch präsentiert Wagner danach das Eintreffen der Verehrer, des schwülstig daher dichtenden Gonzalvo, von Jonas Gudmundsson auch vokal eher schlank gehalten, sowie des brüsk-selbstbewussten Don Iñigo Gómez (Hye-Soo Sonn). Beide werden sie von der nicht zuletzt stimmlich aufreizenden Concepción Ute Dörings in Uhrenkästen verfrachtet, Sieger in der männlichen Phalanx bleibt Maultiertreiber Ramiro in muskulöser Gestalt Brett Carters, die Kästen samt darin verborgenen Liebhabern durch das Haus tragend.

Da wird freilich zu vordringlicher Bühnenkomik, was Ravel eher als ästhetische Neuausrichtung der Buffa gedacht hat: Witz im eigentlichen Sinn aus dem Geist der brillant überraschungsreichen Musik, keine gedrechselten Dialoge, sondern eine stringent durchkomponierte Komödie. Dirigent Marc Piollet und das Hessische Staatsorchester immerhin lassen insoweit Ravels Musik berückend sauber und zwischentonreich schillern, klanglich veredelt und dezent das Geschehen ergänzend.

Weitere Vorstellungen am 19. März, 7., 14. und 29. April

Etwas deftiger und direkter darf es im Graben bei „Gianni Schicchi“ zur Sache gehen, einer auch szenisch leichten und spritzigen italienischen Stunde. Nahezu das ganze Wiesbadener Solistenensemble ist gefordert als Nachverwandtschaft des frisch verstorbenen Buoso Donati, den man im Florenz des Jahres 1299 gerade in eine der wild aufgetürmten Kisten verfrachtet hat. Kurz und versehentlich gibt sie das dunkle Geheimnis in Gestalt der Leiche des Erblassers frei, das die mit Hakennasen böse unsympathisch karikierten, ihr Schwarz hoch elegant tragenden Verwandten haben (Kostüme: Christof Cremer). In die Rolle und ins Bett des Sterbenden schlüpft trickreich Gianni Schicchi, der jedoch bei der erneuten Testamentsaufnahme weniger die Verwandten als vor allem sich selbst bereichert. Ein „babbino caro“, ein „lieber Papa“, wie ihn Emma Person in ihrer Wunschkonzert-Arie silbrig, lieblich und rein tituliert, ist er also nur für Töchterchen Lauretta.

Quelle: op-online.de

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