Komisches Quintett

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Galliger Kommentar zum Klimawandel des Karikaturisten Günter Henrich aus Froschhausen.

Tierisch gut in Bild und Text gesetzt ist, was fünf bekannte Künstler der Region an Witzigem, Parodistischem und Hintergründigem, aber auch an Bitterbösem und Tragikomischem im Kunstforum Seligenstadt aufspießen. Von Reinhold Gries

Zuweilen sehr malerisch setzt die Dietzenbacher Cartoonistin Uschi Heusel ihren Prototyp, die Ratte Ludwig, in Szene. Als Ludwig XIV inkarniert, wird der (Ratten-)König schnell ungehalten, wenn die Mayo-Pommes in seiner goldenen Schale labberig sind. Als Ludwig II. von Bayern zupft er Hermelinschwänze aus seinem Königsmantel. Ein Leben wie „Gott in Frankreich“ führt Ludwig, wenn er sich, im Manet-Stil nachgebildet, genussvoll schmauchend im Bett räkelt.

Tierisch einfallsreich auch die Art, mit welcher der Mühlheimer Cartoonist Klaus Puth menschliche Macken auf den Punkt bringt. „Gans komisch“ liegen seine kultigen Gänse am Strand von „Gansarote“ und sehnen sich nach heimatlicher Gänseblümchenwiese.

„Gans politisch“ und dazu ökologisch korrekt auch die Cartoons des Froschhauseners Günter Henrich. Die ins Bild gesetzte Abwägung der Wählerparteien in 59 Prozent Nichtwähler und 41 Prozent Wähler im Blatt „Gewonnen“ ist ebenso ein Wink mit dem Zaunpfahl wie das recycelte Reptil, das zurückblickt „Ich war eine Handtasche“. Hesse Henrich lässt dem armen Spargel zurufen: „Bleib unne, sonst steche se dich ab!“ Aktuell geht es ihm um „Staub-inger“, Windräder oder den auf der Gummiente schwimmenden Eisbären vor der „Ferienwohnanlage Polarblick“. Da gerät selbst der geliebte Apfelwein zur „saure Brieh, die net lusdisch“ macht.

Tücken des Alltags protokolliert die Frankfurter Trickfilmzeichnerin Leonore Poth mit flinkem, aber oft keineswegs gefälligem Strich. Vom Film „Just a simple melody“ und Szenen aus „Die Rollmöpse“ geht es tagebuchartig zu den kindlichen Rackern von „Der kleine dicke Pank“: zu Impfung, Sehtest, Babyschwimmen und Schwimmbad. Wie bekannt sie einem doch sind, das durchgeprüfte Kind, die gestresste Mutter und der genervte Vater.

„Komische Kunst“ bis 20. September in der Galerie Kunstforum im Alten Haus Seligenstadt.

Geöffnet: Freitag, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Die grob behauenen und farbig gefassten Holzskulpturen des Aschaffenburger Bildhauers Wolfgang Aulbach ziehen Blicke auf sich. Da kippt Komik oft in Tragik, beobachtet oder abgehört von den leer blickenden Statuen „Aufsicht“ und „Bao an“, dem Mao-Wächter für Ruhe und Sicherheit. Das Schmunzeln und Lachen gefriert bei all den hölzernen Kulinaria, dem Hasen, der von nichts weiß und den GI-Büsten mit abstehenden Ohren. Nicht nur an der Zwergenreihe mit „Napoleon“ und dem „Helden der Arbeit“ sieht man, dass es in Seligenstadt große Kunst zu sehen gibt.

Quelle: op-online.de

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