Frankfurter Buchmesse 2013

Kommentar: Vielfalt feiern

Totgesagte leben länger: Als Motto für die gestern Abend eröffnete Frankfurter Buchmesse wäre eine solche Formulierung zu gewagt, doch unterstreicht der weltweit bedeutendste Büchermarkt mit seinen 7 300 Ausstellern aus über 100 Ländern einmal mehr, dass gedruckte Werke auch stürmische digitale Zeiten überdauern. Von Carsten Müller

Der in unseren Breiten zaghafte Zuspruch zum E-Book mag kulturell bedingt, traditionell begründet oder sogar eine ganz bewusste Entscheidung für die sinnlichen Qualitäten des Gedruckten sein: Digitale Medien sind zurzeit nicht mehr als ein ergänzendes Angebot, das aber neue Lese-Erlebnisse verspricht. Und vom Twitter-Krimi bis zum multimedialen Fantasy-Roman für immer neuen Gesprächsstoff sorgt, der zunehmend von den Autoren selbst vermarktet wird – in Blogs, auf Online-Plattformen oder auch zwischen Buchdeckel gebunden. Das sogenannte „Self Publishing“ entwickelt sich zu einem eigenen Messe-Zweig.

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Freilich dürften viele dieser tapferen Streiter in eigener Sache davon träumen, auf dem neuen „Walk of Fame“ verewigt zu werden, mit dem die Buchmesse erstmals ihre Literaturstars feiert. Die glamouröse Hollywood-Einlage kann als trotziger Reflex auf die Dominanz von Internet-Riesen wie Amazon und Apple gelesen werden, deren Vertriebskonzepte hiesige Prinzipien des Lesens und Publizierens in Frage stellen. Es geht um Vielfalt statt Monokultur – in den Messehallen wie bei den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen mit den USA, das Verlage und Buchhandel in seinen Grundfesten bedroht. Frankfurts Bücherschau zeigt aber auch neue Wege auf und stellt digitale Buchläden sowie unabhängige Sortimente vor, die Literatur fördern statt sie nur zu vermarkten.

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

Frankfurter Buchmesse 2013: Impressionen

Passend zum Beginn der Buchmesse gibt eine gestern vorgelegte OECD-Studie einer „bedeutenden Minderheit“ der erwachsenen Deutschen schlechte Noten in Sachen Lesekompetenz. Leseförderung bleibt eine dauerhafte Aufgabe, die in den Messehallen traditionell groß geschrieben wird. Dass Literatur sich dank digitaler Medien zusätzlich auf Smartphones und Tablets verbreitet und damit möglicherweise Menschen erreicht, die selten oder nie einen Buchladen betreten, ist nicht die schlechteste Entwicklung.

Quelle: op-online.de

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