64. Frankfurter Buchmesse

Kommentar: Altheiten und Neuheiten

Und Sie? Wann veröffentlichen Sie Ihre Autobiografie und erzählen backsteindick aus Ihrem Leben? Lieber nicht, sagen Sie, weil zu banal oder zu privat? Dann gehören Sie vermutlich zu einer aussterbenden Minderheit. Von Christian Riethmueller

Denn es ist weiterhin Mode, sein Dasein vor aller Welt auszubreiten - selbst wenn dieses Dasein völlig leer ist oder noch keine zwanzig Jahre dauert. Auch die 64. Frankfurter Buchmesse wird daher wieder von den Ergüssen von TV-Sternchen, Sportlern und Politiker-Gattinnen überschwemmt werden, auf deren Lebensgeschichte doch nur diese Reaktion möglich ist: „Ach, das ist aber uninteressant!“.

Der Trend zur schriftlichen Lebens(-abschnitts)beichte könnte durch das Internet noch gesteigert werden. Brauchte es früher eines Verlags, um ein Buch jedweder Art auf den Markt zu bringen, etabliert sich allmählich das sogenannte Self-Publishing. Da ist der Autor gleich auch Verleger und erledigt die Vermarktung seines Werks selbst. Das geschieht etwa über soziale Netzwerke und spart erst einmal Druck- und Marketingkosten. Auf Self-Publishing spezialisierte Plattformen helfen zudem bei der Produktion - ob nun als E-Book oder doch in gedruckter Form. Für etablierte Verlage ist dies eine Herausforderung, nicht zuletzt, weil in der aufgeregten und schnellen Netzwelt weiter Aufmerksamkeit absorbiert wird, die vorher vielleicht doch einmal dem Medium in seiner klassischen Form, nämlich zwischen zwei Buchdeckeln, gewidmet worden wäre.

Apropos klassisch. Bei den Klassikern lässt sich dieses Jahr allerhand Neues entdecken, haben sich doch etliche Verlage darangemacht, große Werke der Literatur, etwa von Manzoni, Woolf, Pound, Bulgakow, Faulkner oder Hemingway neu übersetzen zu lassen. Die kommen nun so frisch daher wie eine gerade erschienene Autobiografie, die man gelesen haben sollte. Die zweibändige Schwarte breitet sich zwar auf über 1 000 Seiten aus, doch dieser Samuel Langhorne Clemens hat wirklich etwas zu erzählen: Persönliches , Intimes und vor allem Faszinierendes über sein Leben als Star-Autor Mark Twain.

Quelle: op-online.de

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