„Ariadne auf Naxos“

Kür der Komödianten

Frankfurt - Viel Theater auf dem Theater in „Ariadne auf Naxos“, der Kammeroper von Richard Strauss, die jetzt in Frankfurt eine umjubelte Premiere erlebte. Von Klaus Ackermann

Regisseurin Brigitte Fassbaender verband das Ernsthafte wohldosiert mit Heiterem und ging dabei auch geflissentlich auf ironische Distanz. Unterstützt von Sebastian Weigle, der mit dem gut aufgelegten Opern- und Museumsorchester die vielschichtige Strauss-Musik transparent machte und den fabelhaften Sängern Impulse gab. Allen voran Brenda Rae, die mit ihren Koloraturen schier unglaubliche Höhen bezwang und dafür Bravos auf offener Szene bekam.

Schon das Vorspiel hat eine bemerkenswerte Pointe: Der Vorhang zu einem Viertel hochgezogen, sieht man nur die Tanzschritte probenden Füße der Protagonisten dieser Kammeroper, gleichermaßen Seria und Buffa in einem. Hat doch der reichste Mann von Wien angeordnet, bei seiner Soiree die Opern-Uraufführung mit dem Tanzstück einer Komödianten-Truppe zu verbinden, was alle erzürnt, aber besonders den Komponisten der „Ariadne“ verzweifeln lässt. Mezzosopranistin Claudia Mahnke probt hier mit schneidender Stimme den Aufstand.

Der erregte Disput findet im protzigen Foyer des Neureichen statt, mit vielen Türen zum Zuschlagen sowie mit einem weißen Flügel. Die Farben Rot und Schwarz dominieren, Symbole für Liebe und Trauer (Ausstattung: Johannes Leiacker). Allein der quirligen Zerbinetta (Brenda Rae) gelingt es, mit ihren zur Schau gestellten Reizen den Komponisten zu überzeugen, dass an der Tragikomödie kein Weg vorbei geht.

Mezzosopranistin als Regisseurin

Fassbaender, die berühmte Mezzosopranistin als Regisseurin, hält den Zusammenprall so unterschiedlicher Theaterwelten in milder ironischer Schwebe, stärkt dagegen die Charaktere, ob nun die ebenfalls wutentbrannten Primadonna und Tenor oder Spaßmacher wie Harlekin (Daniel Schmutzhard), Scaramuccio (Michael McCown), Truffaldin (Alfred Reiter), Brighella (Martin Mitterrutzner) und Tanzmeister (Peter Marsh).

Angetrieben von einer Musik, die klassizistische Anleihen mit dem Wiener Walzer verschränkt. Originell instrumentiert sind die Rezitative, das Konversationsstück vorantreibend, darunter Klavier und das ehrwürdige Harmonium der Stuttgarter Uraufführung von 1912. Wenn dann Zerbinetta und der Komponist etwas enger zusammenrücken, ist beim Strauss-Spezialisten Sebastian Weigle das empfindsame Lever des „Rosenkavaliers“ ziemlich nahe.

Statt karger Insel Naxos übt sich Ariadne, die einen roten Faden spinnt, in einem perspektivisch nach hinten sich verengendem Gang des Neureichen-Palasts, vorn mit riesigen Türen und einem ebensolchen Stuhl versehen, in intensivem Trauergesang über ihre verlorene Liebe. Camilla Nyland hat Primadonnen-Format und einen Sopran, der anrührt. Während im Hintergrund die Spaßmacher in Show-Pose paradieren, ein echter Running Gag. Getröstet wird sie von den attraktiven Nymphen Najade (Elizabeth Reiter), Dryade (Stine Marie Fischer) und Echo (Maren Favela), die stimmlich an Wagners Rheintöchter erinnern.

Selbst Zerbinetta, die in ihrer langwierigen Koloratur-Arie verhandelt, was sie von Liebe und Treue hält, kann die tieftraurige Ariadne umstimmen. Da muss ein junger schöner Gott her - Michael König singt diesen Bacchus, dessen stabiler, ausdrucksstarker Tenor selbst Steine erweichen könnte. Am Ende prosten Publikum und Akteure dem Komponisten zu, der sich auf machtvollem Gestühl selbst erhöht hat. Riesenjubel! Sicher auch zukünftig …

Weitere Aufführungen am 10., 13., 18., 25.10. und 1.11.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare