Erotische Komödie „Venus in Fur“

Kampf der Geschlechter

+
Schauspielerin Wanda (Meghan Treadway) zeigt Autor Thomas (David Blackwell) wo es langgeht.

Frankfurt - Am Ende des Tages ist Thomas rechtschaffen durch. Knapp drei Dutzend Schauspielerinnen haben bei ihm vorgesprochen, doch die geeignete Besetzung für die Hauptrolle in seinem neuen Bühnenwerk war nicht dabei. Von Christian Riethmüller

Der aufstrebende Autor (David Blackwell) hat allerdings auch hohe Erwartungen an die Darstellerin der Wanda, wie die Figur in dem Stück heißt. Es soll eine kultivierte, europäische Adlige des späteren 19. Jahrhunderts sein, schließlich ist Thomas’ neues Werk eine Bühnenadaption der berühmten Novelle „Venus im Pelz“, die der österreichische Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch im Jahr 1870 veröffentlicht hatte.

Einem solchen adligen Damen-Typ entspricht die derbe fluchende Frau gewiss nicht, die reichlich verspätet in dem irgendwo in New York gelegenen kleinen Proberaum. In ihrer Lackleder-Montur sieht sie eher aus, als wolle sie zu einem ganz anderen Treffen. Der ermattete Thomas will sie denn auch gar nicht erst vorsprechen lassen, gibt dann aber doch dem flehenden Drängen der Frau namens Wanda Jordan (Meghan Treadway) nach - und ist schon bald wie elektrisiert. Wanda ist nicht nur eine bemerkenswert talentierte Schauspielerin, die gleich noch ihre eigenen Kostüme mitgebracht hat. Sie verfügt auch über enormes Hintergrundwissen, sowohl über die Rolle der fiktiven Wanda als auch über die Bedeutung des Buches von Sacher-Masoch. Genau genommen, weiß sie sogar zuviel.

Gelungene Inszenierung

Der amerikanische Bühnenautor David Ives hat diese Konstellation zu einem der erfolgreichsten Theaterstücke am Broadway der vergangenen Jahre ausgearbeitet. Sein 2011 uraufgeführtes Werk „Venus in Fur“, das nun in einer gelungenen Inszenierung von Michael Howcroft am English Theatre zu sehen ist, reflektiert dabei vor dem Hintergrund einer Theaterprobe geistreich und bisweilen witzig über Sexualität, Macht und das Verhältnis der Geschlechter.

„Venus in Fur“ , getragen vom vorzüglichen Spiele Treadways und Blackwells, verhandelt dabei mehrere Beziehungsverhältnisse. Zum einen jenes zwischen Autor/Regisseur und Schauspielerin, dann jenes zwischen sich in sexuellen Neigungen wie Sadismus und Masochismus zugetanen literarischen Figuren und schließlich jenes zwischen Mann und Frau im allgemeinen und - mit der Geschlechterdebatte im Hinterkopf - im besonderen.

Zehn Gründe, warum Promis sich ausziehen

Zehn Gründe, warum Promis sich ausziehen

Diesen Aspekt hat Michael Howcroft bei seiner Inszenierung besonders betont. Wanda erscheint nicht nur einmal als Mischung aus Superwoman und Racheengel, die Thomas stellvertretend für die jahrtausendlange Unterdrückung der Frau durch den Mann büßen lässt. Dieser Machtkampf gerät besonders eindrucksvoll, weil Blackwell Thomas nicht als Abziehbild eines Chauvinisten spielt, sondern als freundlichen Burschen, der sich gewiss gern als Frauenversteher sähe, verstünde er sie denn.

„Venus in Fur“ wird bis zum 4. Juli im English Theatre gespielt, alternierend mit dem Thriller „The Collector“, in dem David Blackwell und Meghan Treadway sich gleichfalls duellieren.

Quelle: op-online.de

Kommentare