Kontinuität im Wandel angestrebt

Frankfurt - Am Frankfurter Mousonturm steht, nachdem Intendant Dieter Buroch seinen Abschied zum Ende des Jahres 2011 angekündigt hat, ein Neubeginn an. In seiner 22-jährigen Geschichte hat der das Künstlerhaus etliche Metamorphosen durchlebt. Der stete Wandel ist sein programmatischer Grundgedanke und macht seine Stärke aus. Von Stefan Michalzik

Buroch, Leiter seit der Gründung 1988, ist zum Zeitpunkt seines Ausscheidens 60 Jahre alt. Im Gespräch mit dieser Zeitung bekundete er, mit der Übergabe den Weg für einen Einzug neuer Impulse freimachen zu wollen. Buroch will als Dozent an den Universitäten in Frankfurt und Gießen seine Erfahrung weitergeben.

Sich auf Erfolgen auszuruhen, ist die Sache des mediterrane Lebenskultur verströmenden teamfähigen Autokraten nicht. „Dann ist man irgendwann am Ende.“ In Abständen von fünf Jahren wurde das Konzept immer wieder auf den Prüfstand gestellt. Anfangs präsentierte sich die damals neuartige Produktions- und Spielstätte einesteils als Plattform für ein lokales und überregionales alternatives Szenetheater, das aus dem Geist der 70er Jahre entstanden ist. Gleichzeitig wurden von Beginn an internationale Ensembles eingeladen.

Alsbald verlagerten sich die Gewichte. Der Mousonturm entwickelte sich zum international vernetzten Zentrum für den Tanz wie für eine Theater-Avantgarde, auf deren breites Spektrum unterschiedlicher Ästhetiken das Schlagwort vom postdramatischen Theater geprägt worden ist. Stadtintern hatte der Mousonturm die Funktion des abgewickelten Theaters am Turm unter Tom Strombergs Intendanz übernommen. Dafür stand Christine Peters, in deren Hände Buroch von 1998 an die Verantwortung für die künstlerische Leitung gelegt hatte. Nach ihrem Weggang 2003 hatte er den Fokus zunehmend auf den Tanz ausgerichtet.

Die städtische Kulturpolitik sollte die Gelegenheit der anstehenden Zäsur nutzen, um personelle Weichen für ein erneutes Nachjustieren stellen. Mit der Tanzoffensive Frankfurt/Rhein-Main ist es gelungen, dem Tanz in über die Region ausstrahlender Weise einen festen Stand zu verschaffen. Mit der Gründung des unter der Leitung der famosen kanadischen Choreografin Crystal Pite stehenden Hausensembles Kidd Pivot hat Buroch einen wichtigen Akzent gesetzt, der über seine Zeit hinausweist.

Nun gilt es, einen sachverständigen, auf internationalem Parkett trittsicheren Intendanten zu gewinnen, der gleichermaßen den Tanz hegt wie über den Horizont zur Öffnung für die zuletzt etwas untergewichtete internationale Theateravantgarde verfügt. Die Politik scheint das begriffen zu haben.

Nach dem Willen von Kulturdezernent Felix Semmelroth soll der Tanz ein Schwerpunkt bleiben; vor allem gelte das Augenmerk gattungsübergreifenden Kunstformen. „Es wird eine Persönlichkeit gesucht, die das leisten kann.“ Eine trefflichere Form der Kontinuität im Wandel ist für den Mousonturm nicht vorstellbar.

Quelle: op-online.de

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