Konzertantes Juwel gehoben

Solche Beifallsstürme sind im Großen Saal der Alten Oper eher bei Pop- und Rock-Konzerten zu erleben. Zeljko Lucic alias König Zurga in George Bizets Oper „Die Perlenfischer“ hielt sich die Ohren zu. Dabei hatte er selbst zur Begeisterung beigetragen. Die konzertante Aufführung in Zusammenarbeit mit der Oper Frankfurt brachte Einfallsreichtum, Farbigkeit und Dramatik des genialen Wurfs zutage.

Obwohl Berlioz der Partitur Lob zollte und das in Ceylon spielende Libretto die Exotik-Mode bediente, hatten „Les pêcheurs de perles“ wenig Erfolg. Die Oper wurde nach der Pariser Premiere 1863 nur wenige Male aufgeführt. Nachteilig für die Rezeption waren der Verlust des Autographs und vor allem das triviale Libretto. Erst 1976 unternahm Arthur Hammond einen Rekonstruktionsversuch nach dem erhaltenen Klavierauszug der Urfassung und ergänzte die Orchestrierung. Bei der Frankfurter Aufführung hielt man sich an die rekonstruierte Originalversion.

Hier bleiben den Protagonisten die verschiedenen Todesarten späterer Fassungen erspart. Der Fischer Nadir und die Brahma-Priesterin Leila entgehen der drohenden Strafe für Treuebruch und Verletzung des Keuschheitsgelübdes. König Zurga verhilft dem Liebespaar zur Flucht, denn er hat erfahren, dass er Leila einst seine Rettung verdankte. Die Librettisten diktieren ihm ein bizarres Mittel: Er zündet Hütten im Dorf an, um die rachsüchtige Masse abzulenken.

So extrem sind stets auch die Gefühle, angefangen bei Zurgas Schwanken zwischen Eifersucht und Freundschaft, zwischen Liebe und glühendem Hass. Lucic verströmte mit mächtigem, in allen Registern wohlklingendem Bariton grandioses Pathos. Mit dem maltesischen Tenor Joseph Calleja als Nadir vereinte er sich herzerwärmend, doch nicht kitschig zum innigen Freundschaftsduett. Den nötigen Schmelz brachte Callejas kraftvoller Tenor mit. Auch seiner souveränen Interpretation war es zu verdanken, dass die Aufführung nicht ins Schmalzige abglitt.

Publikumsliebling war mit gutem Grund auch Tatiana Lisnic als Leila. Berührend und mit profunder Koloraturtechnik gestaltete sie die Gefühlsverwirrungen der Priesterin. Ihr Sopran überstrahlte das Orchester und schwang sich ebenso mühelos in Pianissimo-Höhen wie zuvor der Tenor ihres Partners aufs hohe C. Frankfurt kann sich auf die geplante Wiederkehr des Ehepaars Calleja-Lisnic freuen. Bálint Szabó als Großpriester war ein vortrefflicher Partner. Der Chor wechselte zwischen heiteren Tänzen, hinduistischen Gebeten und tobsüchtigem Gebaren, vom neuen Leiter Matthias Köhler glänzend präpariert, stets präsent, flexibel in Stimmung und Klangfarbe.

Christoph Poppen dirigierte das dramatische Geschehen souverän und begleitete die reich mit Ritardandi und Kadenzen geschmückten Arien zuverlässig. Beim engagierten Spiel des Museumsorchesters, bereichert durch schöne Soli, wirkte die Oper frisch – reizvoll genug, öfter aufgeführt zu werden. Vorerst bekam das Publikum jedoch nur das Freundschaftsduett nochmals zu hören.EVA SCHUMANN

Quelle: op-online.de

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