Bauhaus-Künstler Lyonel Feininger und Paul Klee in Würzburg vereint

Kostbares Wiedersehen

Lyonel Feininger, „Düne am Abend“ (1927), Öl auf Leinwand, aus dem Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster © VG Bild-Kunst

Im Jubiläumsjahr „90 Jahre Staatliches Bauhaus“ ist dem Museum Kulturspeicher am Würzburger Hafen der große Wurf gelungen – die erste gemeinsame Ausstellung der Malerfreunde Paul Klee (1879-1956) und Lyonel Feininger (1871-1956) seit 1932. Zum hochkarätigen Vis-à-Vis wurden 65 Aquarelle, Ölbilder, Gouachen und Zeichnungen aus berühmten Museen ausgeliehen, dazu Briefe und Bauhaus-Spielzeug.

Der in New York geborene Amerikaner Feininger gehörte als „Formmeister“ unter Walter Gropius ab 1919 zu den Männern der ersten Stunde am Weimarer Bauhaus. Der in Bern geborene Klee nahm 1921 seine Lehrtätigkeit dort auf, brachte entscheidende Beiträge zur bildnerischen Formlehre, die nichts an Aussagekraft eingebüßt haben. Beide siedelten 1925 mit dem Bauhaus nach Dessau um; Feininger blieb bis 1933, Klee bis 1929. Ab 1920 hatten sie sich auch privat angenähert, gründeten 1924 mit Kandinsky und Jawlensky die Künstlergruppe „Die Blauen Vier“. Mehrfach tauschten sie zu Geburtstagen Bilder aus, wohnten in den Künstlerhäusern nebeneinander.

Diese Wahlverwandtschaft spiegelt sich in Würzburg: Beide erkannten den Wert von Kinderzeichnungen, beschäftigten sich mit Architektur und Stadtbildern. Beide liebten das Meer und maritime Szenerien, auch den Bau von Schiffsmodellen. Und beide waren große Musiker, Klee ein hervorragender Geiger, der komponierende Feininger ein Multitalent an Violine, Orgel und Klavier.

Diese Musikalität und Vorliebe für Bach führt zu fugalen Bildkompositionen wie Klees „Traum-Stadt“ (1921) und Feiningers „Stiller Tag am Meer“ (1927). Feiningers thüringische Kathedralstädte, Dörfer und Meereslandschaften, Klees Burghügel und Häuservariationen leben vom Wechsel sich überschneidender Farbflächen und Formfacetten. Der konstruktive „Prismatiker“ Feininger bleibt am Gegenstand, während Klees hintergründige Bildformeln, Zeichen und Symbole abstrakter gedacht sind, aber zum Gegenstand drängen.

Feiningers Ölgemälde „Düne am Abend“ (1927) und „Yachten“ (1929) strahlen wundervolle Transparenz und feierliche Ruhe aus, während Klees poetische „Häuser an der Brücke“ (1922), „Neues Haus“ (1924) und „Burghügel“ nach dem „Geistigen in der Kunst“ streben. Klees skurrile Federzeichnungen „Begegnung“ (1921) und „Die Flut schwemmt Städte“ (1927), verspielte Kopfgeburten der fragilsten Art, scheinen nicht von dieser Welt. Doch auch beim später strenger arbeitenden Feininger sind in „Brücke“ und „Sternenbesuch“ versponnene Zeichnungen zu entdecken, die ungeahnte Leichtigkeit ins Werk bringen.

Wie beide von der Welt des Zeichnens zu fein gestufter Farbenmusik vordringen, ist einzigartig zu studieren. Feiningers Lineaturen und Landschaftsbilder „Insel“, „Dünenküste“ und „Regenbogen“ gehören zum Kostbarsten, das die Kunst der 20er/30er Jahre bietet. Signalschiffe, Frachter, Fischer- und Segelboote entzücken. Klees „Abfahrt der Schiffe“ führt ins Reich der Träume. Da wächst zusammen, was zusammengehört! REINHOLD GRIES

P„Lyonel Feininger und Paul Klee – Künstlerfreunde am Bauhaus“: Kulturspeicher Würzburg, bis 6. September Dienstag 13 bis 18, Mittwoch bis Sonntag 11 bis 18 Uhr

Quelle: op-online.de

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