„Göttliche Komödie“ im Frankfurter MMK

Kraft eines Kontinents

Aïda Mulunehs Fotografie „The 99 Series“, 2013 - © Aïda Muluneh

Frankfurt - Paradies, Fegefeuer, Hölle: Die Stationen der Jenseitswanderung aus Dante Alighieris Epos „Die Göttliche Komödie“ sind derzeit in einer Ausstellung im Frankfurter Museum für Moderne Kunst nachzuvollziehen. Von Eugen El 

Dabei geht es nicht etwa um Illustrationen zum zwischen 1307 und 1321 entstandenen Literaturklassiker, sondern um freie, künstlerische Interpretationen. Dass in der Ausstellung ausschließlich afrikanische oder zumindest aus Afrika stammende Gegenwartskünstler vertreten sind, soll für einen neuen Blick auf diese in der westlichen Kunst oft bearbeitete Materie sorgen. Die fünfzig künstlerische Positionen umfassende Schau erstreckt sich über das gesamte Gebäude des Museums. Jedes Stockwerk ist thematisch jeweils einem Jenseitsreich zugeordnet. So ist zum Beispiel im Erdgeschoss ein labyrinthisches Spiegelkabinett des 1954 in Ägypten geborenen Künstlers Nabil Boutros zu sehen. Der Boden der Installation ist als Wolkenhimmel bemalt, auf den Spiegeln sind Bibelzitate über den Himmel in diversen Sprachen, darunter Hebräisch und Latein, angebracht. Hier geht es um die Begegnung mit unterschiedlichen Paradiesvorstellungen im Zusammenspiel mit der zwangsläufigen Befragung eigener Konzepte.

Neben zahlreichen Neuentdeckungen begegnet man auch einigen im globalen Kunstbetrieb bereits etablierten Positionen. Dazu zählt die 1970 in Äthiopien geborene, in New York lebende Künstlerin Julie Mehretu. Ihre „Fragment“ betitelte, großformatige Zeichnung zeigt ein Geflecht aus architektonischen Strukturen und malerisch aufgebauten Flächen, die sich zum flirrenden visuellen Eindruck einer Metropole verdichten. Ein enger thematischer Bezug zur „Göttlichen Komödie“ besteht hier nicht, was jedoch nicht stört. Dante Alighieris Werk kann man als übergreifende Klammer der Ausstellung sehen, die eine Auswahl grundlegender kultureller Fragestellungen bündelt.

Einige Künstler beziehen sich direkt auf die europäische Kunsttradition. Im Obergeschoss des Museums ist eine Skulptur des Südafrikaners Wim Botha zu sehen, die die berühmte Laokoon-Gruppe aufgreift. Bothas Interpretation changiert zwischen Statik und Dynamik, Massivität und Leichtigkeit.

„Die Göttliche Komödie“ bis 27. Juli im Frankfurter Museum für Moderne Kunst MMK, Domstraße 10. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr

Die mit Malerei und Zeichnung, Fotografie und Film, Bildhauerei und Performance alle denkbaren Medien versammelnde Schau klingt meditativ aus. Eine im Dunkeln leuchtende, kuppelartige Holzkonstruktion des 1961 geborenen, ägyptischen Künstlers Moataz Nasr kann man als stille und dennoch kraftvolle Reflexion über die Rolle der Liebe in den Weltreligionen sehen. Die enorme Vielfalt der kulturellen Prägungen Afrikas wird in der gesamten Ausstellung deutlich. Die Breite der von den Künstlern gewählten Zugänge zum Thema ist ebenfalls beeindruckend. Unbequeme Fragen, wie die Auswirkungen der Globalisierung und die Folgen des Kolonialismus, werden nicht ausgespart. Es entsteht ein eindrückliches Bild von der künstlerischen Kraft eines Kontinents.

Quelle: op-online.de

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