„Suomi Seven“-Ausstellung

Kreative Freiräume im Norden

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Kaisa-Haus der Universitätsbibliothek Helsinki von Antinen Oiva Architects

Frankfurt - Finnland bietet jungen Architekten beste Bedingungen. Die Frankfurter Ausstellung „Suomi Seven“ stellt international erfolgreiche Büros vor.

Kilden Theater- und Konzerthaus in Kristiansand von ALA Architects

Die Buchmesse wirft ihre Schatten voraus: Passend zum Gastlandauftritt der Frankfurter Bücherschau stellt das Deutsche Architekturmuseum Frankfurt (DAM) in der Ausstellung „Suomi Seven“ sieben viel versprechende junge Architekturbüros aus Finnland vor, die bereits ein international beachtetes Portfolio aufgebaut haben. Finnlands Tradition an offenen Architekturwettbewerben hat vielen jungen Architekten zu ihren ersten großen Aufträgen verholfen, so dass sie bereits in einer sehr frühen Phase ihrer Laufbahn Fuß fassen konnten. Die jungen Architekten erhalten so die Gelegenheit, ein Bauprojekt von Anfang bis Ende zu betreuen und ihren eigenen Entwurf zu realisieren. Es ist nicht selten, dass eine Gruppe junger Architekten, nachdem sie einen solchen Wettbewerb gewonnen haben, ein Büro gründet. In Deutschland sei so etwas die Ausnahme, sagte DAM-Direktor Peter Cachola Schmal, der die Ausstellung gemeinsam mit Anna Scheuermann (DAM) sowie Juulia Kauste, Direktorin des Museum of Finnish Architecture (MFA) kuratiert hat.

Bei den jüngsten Vertretern, den Architekten Hilla Rudanko (Jahrgang 1987) und Anssi Kankkunen (Jahrgang 1983) aus Helsinki, gab es jedoch einen anderen Anlass zur Büro-Gründung, nämlich ein gemeinsames Studienprojekt, den Bau einer Berufsschule in Kambodscha. Heute haben sich die international vernetzten Architekten auf Lerngebäude spezialisiert, die unter anderem gemeinsam mit Pädagogen entwickelt werden. Auch für die Sra-Pou-Berufsschule setzten sie auf Teamarbeit, bezogen unter anderem die Bevölkerung und eine lokale Hilfsorganisation mit ein, verwendeten zudem örtlich vorkommende Materialien, die mit Hilfe ortsüblicher Techniken und ortsansässiger Handwerker bearbeitet wurden - nicht zuletzt aus Budgetgründen. Not machte erfinderisch: Aus der lokal vorhandenen roten Erde wurden beispielsweise luftgetrocknete Backsteine hergestellt. Für Klimatisierung und Beleuchtung sorgen kleine Öffnungen in den Wänden, die Licht und Luft einlassen.

Große Tradition an moderner Architektur

Sra-Pou-Berufsschule in Kambodscha

Die Türen wurden zusammen mit einem regionalen Künstler gestaltet. Das Gebäude ist multifunktional, es dient nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern auch als Versammlungsraum und zudem als Standort für Gewerbetreibende. Finnland bietet gleichfalls viele architektonische Herausforderungen: Steigende Einwohnerzahlen in den größeren Städten und die Erschließung neuer Stadtquartiere erfordern den Bau von Wohnhäusern, Schulen und kommunalen Einrichtungen. Zugleich findet eine ausgeprägte Transformation statt: Innerstädtische Areale am Hafen, zuvor industriell genutzt, werden in Wohngebiete mit Bürogebäuden, Schulen und Gewerbeflächen verwandelt. Parallel steht man vor der Entscheidung, was mit den modernistischen Gebäuden aus den 1960er Jahren passieren soll. Während Finnland eine verhältnismäßig junge Nation ist, ist es gleichzeitig ein Land mit einer großen Tradition an moderner Architektur, die sowohl traditionsbewusst ist, als auch offen gegenüber aktuellen internationalen Einflüssen. Die jungen Architekten haben ein ausgeprägtes Gespür für Materialität und die Wirkung von Licht, gepaart mit einer Offenheit für Innovation und Experimentelles, um den praktischen Anforderungen des jeweiligen Projekts gerecht zu werden.

Berliner Architekt entwirft „Hartz-IV-Wohnung“

Die Hartz-IV-Wohnung

Das quaderförmige Kilden Theater- und Konzerthaus Kristiansand von ALA Architects aus Helsinki beispielsweise, das vier akustisch voneinander entkoppelte Säle für mehrere tausend Menschen beherbergt, erinnert mit seinen schwarzen Aluminiumelementen an drei Gebäudeseiten an einen Instrumentenkasten, während die Wasserseite eine große Schaufassade zeigt, die monumentale Wellen aus Holz prägen. Die Architekten sprechen von einem, „Filter zwischen Realität und dem Reich der Fantasie“. In der Frankfurter Ausstellung sind aber auch Kirchenräume und Universitäten, Wohnhäuser sowie kleine aber feine landestypische Gebäude wie Saunas und Ferienhäuser zu sehen. „Suomi Seven“ ist vom 6. September bis 18. Januar im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt, Schaumainkai 43. Geöffnet: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag von 11-18 Uhr, Mittwoch von 11-20 Uhr.

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Quelle: op-online.de

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