Krebs und Tod, Gott und Welt

Wüsste man nicht von seiner Krebserkrankung und hätte er nicht über Krankheit und Tod gesprochen, hätte man denken können, dass es Christoph Schlingensief einigermaßen gut geht. Aus den hinteren Reihen des fast ausverkauften Frankfurter Schauspiels sah es so aus. Seine Haltung, sein Engagement beeindruckten ebenso wie sein Humor und sein Esprit. Von Astrid Biesemeier

Der an Lungenkrebs leidende Regisseur, Aktions- und Installationskünstler las aus seinem Buch „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“, in dem er sich mit Krankheit und Tod auseinandersetzt. Es war ein Benefiz, mit dem Schlingensief Geld für das Festspieldorf sammelt, das er im afrikanischen Burkina Faso gründen möchte. „Mir geht es eigentlich ganz gut“, beruhigte er das Publikum, das sein Erscheinen mit starkem Beifall bedachte. Allerdings fügte er hinzu, dass er kürzlich ein „Scheißergebnis“ bekommen habe – neue Metastasen.

Zwischen 20 und 30 Buchzeilen waren es vielleicht nur, die Schlingensief in zweieinhalb Stunden las. Sonst plauderte und schimpfte er über Gott und die Welt, Wagner und seinen Vater, Bayreuth und Krebs. Per Laptop zeigte er Filmzusammenschnitte früherer Aktionen und Inszenierungen – es wirkte, als ließe Schlingensief wichtige Momente seines Lebens Revue passieren, als finde da eine öffentliche Selbstvergewisserung dessen statt, was er gemacht hat.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite des Festpielhauses

Da lebte kurz die „Chance 2000“ auf, auch der „Ausländer-raus-Container“, der in Wien für Aufregung sorgte. Szenen seiner Arbeit bei den Bayreuther Festspielen waren zu sehen. Bayreuther Anekdoten und seine Sicht auf die Wagners sorgten für Erheiterung (Schlingensiefs Meinung nach „ein total nichtsnutziger Haufen“, „ein Fascholaden“, in dem Räume abgehört würden und Gesprochenes in Protokollen festgehalten werde). Und da Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Grünen Hügel gesichtet wurde, bekamen die „Propagandafrau der FDJ“ und Guido Westerwelle ihr Fett weg.

Es war eine Tour de Schlingensief. Unterhaltsam, in manchem sehr Schlingensief, was rasch etwas zu viel Schlingensief wird. Spät stellte er sein Projekt vor, ein Festspieldorf mit Schule, Musik- und Filmklassen, Krankenstation und Festspielhaus. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf fließen ihm vollständig zu.

Quelle: op-online.de

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