Kreuz setzen oder Klappe halten

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Michael Mittermeier

Seit zwei Jahrzehnten bespaßt er das Land. Nach mächtigen Hüpfern auf dem Karrieresprungbrett des Quatsch Comedy Clubs ist Michael Mittermeier bis heute einer der ganz Großen im Comedy-Geschäft. Von Thomas Holzamer

Einen Beweis dafür tritt der quirlige Bayer am 25. November in Wiesbaden an, wenn er mit den Hessen auf „Safari“ geht. Im Interview erzählte er von Begegnungen mit Berühmtheiten und wie froh er ist, dass man ihm ins Gesicht statt auf den Hintern glotzt. Doch er zeigt auch eine ernste Seite und wirbt dafür, am Sonntag wählen zu gehen.

Michael, du appellierst auf deiner Homepage für den Urnengang. Wieso?

Weil das die Möglichkeit ist, die wir alle paar Jahre haben, mal die Stimme zählen zu lassen. Und ich bin der Meinung, wenn man sich sonst immer irgendwie beschwert und den Mund auf macht, dann hat man auch sein Kreuzchen zu machen. Und jeder, der nicht wählen geht, sollte dann auch das Maul halten.

Du hast mal gesagt, wenn du deutschlandweit auf Tour bist, sind die Leute überall ein wenig anders. Was macht denn deiner Ansicht nach die Hessen so einzigartig?

Eigentlich ziehe ich da gar nicht mal regionale Unterschiede. Es gibt da keine Regel, die sagt, alle Hessen sind so, die Bayern sind immer so. Das ist überall mal völlig frenetisch, mal hören sie mehr zu und dann sind sie wieder lauter. Über die Hessen kann ich eigentlich aber immer nur Gutes berichten.

Du gehst in deinen Shows ja immer auch auf die Region ein, in der du gerade bist. Offenbach und Frankfurt haben ja eher ein gespanntes Verhältnis zueinander. Fällt dir spontan ein Offenbacher/Frankfurter Witz ein?

Ich weiß, immer wenn ich da bin, spiele ich ein wenig damit. Einen besonderen Witz habe ich nicht, dass sind immer Geschichten, die ergeben sich kurzfristig aus der Situation heraus. Das Schöne ist dann immer, dass die eine Hälfte pro Offenbach und gegen Frankfurt ist und umgekehrt. Ich bin quasi der Schiedsrichter.

Du spielst auch gerne damit?

Ja klar, denn das hält das Programm frisch. Die Leute merken dabei einfach, ok der spult seinen Text nicht nur einfach ab. Und dann spiele ich auch gerne mit dem hessischen Dialekt. Das ist auch für mich wichtig als Künstler, denn ich will ja auch nicht jeden Abend nur das Gleiche reden. Dabei entstehen dann ganz oft wirklich tolle Sachen.

Du bist jetzt 20 Jahre in der Szene unterwegs. Wird es da nicht manchmal schwer, noch was Neues zu machen?

Man muss zwischendurch schon mal ein wenig Luft schnappen. Gerade wenn man eine Zeit lang sehr erfolgreich viel gemacht hat. Deshalb bin ich damals auch für eine Zeit lang nach New York gegangen, weil ich einfach mal etwas raus wollte. Aber Blockaden habe ich eigentlich eher selten, wenn ich ehrlich bin. Es ist sogar so, dass je mehr ich dabei bin, desto mehr fällt mir auch ein.

Es heißt, du schreibst gerade an einem Buch?

Ja, das wird ein lustiges Buch über das Thema Vater/Baby, Baby/Vater. Also nicht so ein Wörterbuch, sondern eher wie es ist, jetzt Vater zu sein. Und da ist das auch so: Ich kann oft gar nicht so viel schreiben, wie mir einfällt.

Es heißt ja immer, man soll Beruf und Privates trennen. Gibt es privat auch einen todernsten Michael?

Den gibt es auf jeden Fall. Ich glaube sogar, Comedians, die den ganzen Tag nonstop Unterhaltung machen, schaffen es meistens auf der Bühne nicht. Da gibt es auch sehr viele Klischees. Entweder sind wir dann die Depressiven, oder was sind wir denn? Ich denke, wir sind wie alle anderen auch, vielleicht sind wir nur in unserer Ausprägung in den Extremen ein wenig extremer und leben das dann auf der Bühne aus. Aber wir sind jetzt sicher keine humoristischen Zwangsarbeiter, die gleich morgens zu ihrer Frau sagen: Kennst du den schon?

Was liebst du an deinem Job?

Ich liebe die verschiedenen Facetten und natürlich, auf der Bühne zu stehen. Ohne Touren könnte ich sicher nicht leben, das ist ein Teil von mir. Und natürlich den Prozess des kreativen Beschreibens. Da fange ich oft an, Kapitel zu schreiben und weiß nicht im Geringsten, was da nach zwei, drei Stunden raus kommt. Und dann durfte ich in den vergangenen Jahren viele tolle Geschichten machen, große Open- Airs oder sehr berühmte Menschen und Kollegen kennenlernen. Mit Geldof Life Aid machen, mit Jerry Lewis eine Fernsehsendung und mit Bono ein paar Mal umgehen. Das sind natürlich Dinge, die sind Wahnsinn.

Wie motivierst du dich an einem Tag, wenn du mal keine so gute Stimmung hast?

Ein Trick wäre da eher schädlich. Weil das hieße ja, du würdest die Leute bescheißen. Und den brauchst du auch nicht. Überleg dir mal eine ganz einfache Rechnung. Du gehst auf eine Bühne und da sitzen 3 000 Menschen vor dir, lachen dich an und applaudieren. Welche Motivation soll ich denn da noch brauchen? Und das Zweite ist, dass ich meinen Job sehr liebe. Selbst an stressigen Tagen ist die Bühne immer der Jungbrunnen. Quasi fast schon eine Art von professioneller Freizeit.

Mit wem würdest du gerne mal einen Tag tauschen?

Das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Tauschen eigentlich gar nicht. Ich denke, ich würde gerne mal einen Tag mit Brad Pitt saufen gehen. Ich glaub, dass der sau nett ist und man mit ihm gut quatschen kann. Ansonsten tauschen mal mit einer Frau. Wie das ist, wenn man irgendwo reingeht und angegafft wird, kennen wir Männer ja nicht. Ich kenn das ja nur, weil mich Leute anglotzen, die mich aus dem Fernsehen kennen, aber das ist ja auch wieder anders. Mir glotzen sie dann ja wenigstens ins Gesicht, nicht auf den Arsch.

Was unterscheidet dich aus deiner Sicht von anderen Kollegen?

Ich mache Eins-zu-Eins Comedy. Ich erzähle Geschichten, die ich erlebt hab. Das ist mein Stil, den ich über die Jahre gefunden habe und an dem ich, denke ich, auch erkannt werde. Ich glaube, da haben sich in den letzten Jahren eher Leute von mir beeinflussen lassen, was ja auch wieder schön und eine gewisse Ehre für mich ist. Und ich bin ja auch sehr eigen in der Art. Ich erfinde ganz wenig, nehme die Realität und dreh an der. Sicher erfinde ich auch was dazu und überspitze.

Michael Mittermeier, 25. November, Rhein-Main-Halle Wiesbaden. Infos unter mittermeier.de.

Quelle: op-online.de

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