Auf Kriegsfuß mit der Heimeligkeit

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Sturm auf Ikonen: „Ohne Titel (Kahn Kuss)“ von Andrea Bender.

Neuigkeiten aus der zeitgenössischen Kunst präsentiert die Gruppenausstellung „news“ in der Offenbacher Galerie von Thomas Hühsam. Neun Künstler aus der Region bieten Entdeckungen. Als Individualisten, die sich in der Zusammenschau trefflich ergänzen. Von Carsten Müller

Beispielsweise die gleichsam titelgebende Arbeit der aus Mühlheim stammenden Künstlerin Silke Andrea Schmidt. Die HfG-Absolventin hat ihre Domänen Fotografie und Installation in Einklang gebracht. Sie zeigt einen offensichtlich aus DDR-Beständen stammenden Fernseher, darin die Fotografie eines jungen Esels. An der Wand ein Bakelit-Telefonapparat amerikanischer Herkunft. Wer will, kann in die Ost-West-Verbindung biografische Bezüge der gen Ostdeutschland Verzogenen hineindeuten.

Neuigkeitswert haben auch die mittlerweile zum künstlerischem Markenzeichen avancierten Bulldoggen von Kaya Theiss, die scheinbar einen Kostümfundus geplündert haben. Yoda, Darth Vader und Prinzessin Leia aus „Star Wars“ sind in den farbkräftigen Genre-Malereien ebenso zu entdecken wie Hunde im Spinnenkostüm und mit einer Papiertüte getarnte vierpfötige Spione.

Denise Bettelyoun, im Spannungsfeld zwischen indigenem Erbe und westlichem Alltag, hat Knäuel selbst gefärbter Wolle in metallenen Abstreifgittern zu Farbornamenten arrangiert, die mythologischer oder mathematischer Abstammung sein könnten. Stofflichkeit der Natur und das Serielle der digitalen Welt vereinen die Wandinstallationen der HfG-Absolventin.

Passend über einem Polstermöbel hängt Nadine Röthers Dekonstruktion der Trivialmalerei. Der für viele deutsche Wohnstuben obligatorische röhrende Hirsch ist hier zu einem Langohr aus zusammengetackerten Holzresten mutiert, dessen wappenartiger Trophäenhalter aus dem zersägten Rahmen des Wildbildes besteht.

„Trophäe A.P.D.R.“ von Nadine Röther.

Auch die an der Düsseldorfer Malakademie ausgebildete Andrea Bender hat der Heimeligkeit den Krieg erklärt, nicht ganz so subtil, sondern in vehementen, eruptiven Farbausbrüchen. Ob Mädchen im Dirndl, ein lederbehoster Waidmann oder das Lebkuchenherz: Folkloristische Kleinbürgerlichkeit gerät im pastosen Wellengang ihrer bewegten Acrylmeer gänzlich aus den Fugen. Und sie verschont in treffend charakterisierenden Porträts nicht das nationale Torhüter-Heiligtum Oliver Kahn. Gegen diese ungestüme Rebellion wirkt Christof Kohlhofer, als Beuys-Schüler ebenfalls ein Spross der Düsseldorfer Akademie, wie ein abgeklärter Ikonograf amerikanischer Befindlichkeit. Dabei sind seine virtuosen Airbrush-Arbeiten zwischen Figuration und Farbfläche nicht nur Seelenspiegel, sondern provokante Gradmesser.

„News“ bis 12. Juli in derGalerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61, Offenbach: Geöffnet: Montag bis Freitag von 15 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 069/810044

Solch Furor ist Patrizio Poracchia fremd. Der Schweizer sieht die Dinge gelassen und meditiert in seinen phosphoreszierenden Raumkörpern lieber über die Kraft der monochromen Farbe. Im Halbdunkel beginnen sie zu leuchten und erlangen soghafte Tiefe. Abgezirkelt wirkt die Kunst von Valentin Beinroth, der im vergangenen Jahr sein Studium an der Hochschule für Gestaltung beendet hat, nur auf den flüchtigen ersten Blick. Er hat das Geometriedreieck auf weißer Fläche exakt in Position gebracht, der aus Blattgold aufgetragene Sonnenkreis und das wie Papyrus aufgerollte Malpapier weisen jedoch weit in die Vergangenheit der Trigonometrie.

Faszinierende Aspekte der virtuellen Gegenwart beschäftigen den lange Zeit in Offenbach beheimateten Oliver Raszewski schon seit geraumer Zeit. Wandfüllend hat er die gigantische Architektur eines Computerspiels auf die Leinwand gebracht und bis ins farbige Pixel aufgelöst. Lichteffekte und Dreidimensionalität rücken die Spiel-Oberfläche aus dem Sciencefiction „Das fünfte Element“ in die Nähe der Wirklichkeit. Dazu zwei Leuchtkästen der Aquatica-Serie mit Szenen aus dem künstlichen Aquarium. Da macht sich Unbehagen breit.

Quelle: op-online.de

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