Künstler-Generation zu Gast in Offenbach

+
Hinterglasmalerei von Wilhelm Schmidtke, Hochschule Halle/Saale

Hoher Besuch im ehrwürdigen Gemäuer: Die Studienstiftung des Deutschen Volkes hat die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) mit Beschlag belegt. 99 junge Künstler bewerben sich mit Arbeiten aus den Bereichen Video, Malerei, Installation, Bühnenbild, Fotografie und Film um gefragte Stipendien. Von Carsten Müller

Doch nur ein knappes Viertel der von den Hochschulen Vorgeschlagenen darf auf Förderung hoffen. Wer am Ende übrig bleibt, darüber entscheidet eine hochkarätig besetzte Jury, der renommierte Künstler wie Bildhauer Stephan Balkenhol angehören.

Kurzfristig sind die Offenbacher in die Bresche gesprungen, nachdem die HBK Braunschweig abgesagt hatte. Julia Apitzsch von der Studienstiftung war nicht nur darüber hoch erfreut: „Offenbach ist ein toller Gastgeber. Die HfG hat uns bei der aufwendigen Logistik unterstützt. Auch die besonderen Anforderungen der Präsentation ließen sich hier optimal umsetzen.“ Nicht von ungefähr stieß man im Isenburger Schloss auf zuvorkommende Gastgeber. HfG-Professor Wolfgang Luy, der auch der Jury angehört, und Bernd Kracke sind als ehemalige Stipendiaten der Stiftung verbunden, Luy gar als hiesiger Vertrauensdozent.

Unterschiede auch im Reifegrad der Arbeiten

HfG-Präsident Kracke sprach angesichts der wie bei einem Rundgang bespielten Räume von einer „freundlichen Übernahme“ durch die Studienstiftung und hob die gute Vorbereitung durch Wolfgang Luy hervor. Die Studienstiftung sei ein wichtiger Partner in der Auswahl und Förderung von Talenten, lobte Kracke. Und weil in Offenbach alle 20 deutschen Kunsthochschulen mit Bewerbern vertreten sind, die ganze Breite der Gestaltung abbildend, lassen sich aus den Bewerbungen neue Trends in der jungen Kunst ablesen.

Die Juroren Katharina Grosse, Wolfgang Luy, Franka Hörnschemeyer, Marcel Odenbach, Dieter Kiessling und Stephan Balkenhol vor einer Arbeit von Karolin Back und Mira Bussemer.

Dabei zeigen sich Unterschiede nicht nur in der nach Hochschulen getrennten Präsentation, sondern auch im Reifegrad der Arbeiten. Denn neben 80 angehenden Künstlern, die sich um die ähnlich dem BAföG vom elterlichen Einkommen abhängige Kunstförderung bewerben, konkurrieren 19 Absolventen um bis zu fünf Karl-Schmidt-Rottluff-Stipendien. Es beinhaltet einen Festbetrag von 1200 Euro monatlich auf zwei Jahre. Am Ende steht eine Ausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle nebst Katalog.       Zur Auswahl eingereicht wurden prägnante Arbeiten, mitunter nur Konzepte. Natürlich ist die Offenbacher Hochschule vertreten: Karolin Back und Mira Bussemer setzen sich in Fotografie und Video-Performance mit ihrer Biografie und dem künstlerischen Selbstverständnis auseinander. Tatjana Matvejeva untersucht Individualität in raumbezogenen Videoarbeiten.

Die Juroren müssen all das in einem dreitägigen Marathon sichten und bewerten. Doch zum Glück gibt es gute Gastgeber: Sogar ein Begrüßungstreffen hatten Stipendiaten von HfG und Städel organisiert. Wenn das kein liebevoller Empfang ist ...

Quelle: op-online.de

Kommentare