Hoffen auf neue Räume

Abschied von der Mato-Fabrik: Verlorene Nestwärme

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Auf Teilen des Geländes sollen Wohnungen entstehen.

Offenbach - 2014 läuft der Mietvertrag für die Ateliers in der Mato-Fabrik aus, exakt zwanzig Jahre nach Gründung der Offenbacher Künstlerkolonie. Viele wissen nicht, wohin. Von Reinhold Gries

Der Offenbacher Maler Ralph Zoller blättert in Einladungskarten: „extrakt 2002 – kunst in der alten mato-fabrik“, „Eröffnungsausstellung Kunst Raum Mato“, „Mato goes Japan – Kunstansichten 2003“, „100 Jahre MATO – Eine Ausstellung von Künstlern der Mato-Fabrik anlässlich des Firmenjubiläums“. Auf der Einladung zu den „Offenen Ateliers“ an diesem Wochenende steht: „Open Studios –…Closing Studios“. Es ist die letzte Vorstellung von 27 Mato-Künstlern, die im Frühjahr 2014 die Ateliers räumen. Deren Einjahresverträge mit der Mühlheimer Metallwarenfabrik wurden nicht verlängert.

„Das Gelände wird verkauft, das Atelierhaus abgerissen, bis auf den Denkmal-Torbau. Dahinter entsteht Wohnbebauung“, erzählt Johannes Kriesche. Er hat sich bereits ein neues Atelier im Frankfurter Ostend gesucht. „Leicht fällt mir das nicht, hier wegzugehen. Aber wir Künstler sind auch Kleinunternehmer.“

Zoller tut sich schwerer, da er 1994 die „Künstlerkolonie“ an der Bieberer Straße 215-217 mitbegründet hat. „Solche Räume, auch günstig in der Miete, wird man woanders kaum finden“, sagt er, während sein Blick über seine neue Mal-Serie gleitet, „der Knackpunkt war die Schließung der Produzentengalerie 2008. Die monatlichen Ausstellungen im 2003 gegründeten ,Kunst Raum Mato e.V.´ waren einigen zu stressig, zumal das ordentlich Miete kostete.“

Demokratisch abgestimmt

Seit zwanzig Jahren unterhält der Offenbacher Maler Ralph Zoller ein Atelier in der Mato-Fabrik, das er jetzt räumen muss.

Es wurde demokratisch abgestimmt, knapp gegen Zollers Position. Der früher erlebte Zusammenhalt litt, obwohl Künstlerinnen wie Eva Moll, Ruth Luxenhofer und Verena Lettmayer mit dem „Schrankstipendium“ Aufsehen erregten. Moll mailt dazu aus ihrem New Yorker Studio: „Die Existenz des ,Kunst Raum Mato e.V.´ ist durch einen Raum- und Ortswechsel nicht gefährdet.“

Katja M. Schneider erklärt das so: „Unsere Einjahresverträge standen unter Vorbehalt, viele haben sich nie so ganz hier niedergelassen. Jetzt sind wir aus dem Spiel. Mato-Geschäftsführer Michael Haupt hat uns aber nie im Unklaren gelassen.“ Einige Künstler haben schnell reagiert und suchen neue Räume – auch Musiker von Tinnitus Mask oder Kaja, die in den Kellern probten und am Wochenende die „After Art Party“ gestalten.

„Der Abschied tut weh, aber so konnte es auch nicht weitergehen mit undichtem Dach, defekter Heizung und Schimmelecken im Obergeschoss. Das ist mehr als Patina, was da verrottet“, sagt Schneider. Ruth Luxenhofer ergänzt: „Schauen Sie diesen Beton an… Man hätte behutsam renovieren können… Aber ein Neuanfang ist Chance zur Veränderung.“ Derweil hört man Lärm von der Wiese hinter dem Atelierhaus, auf der Migu M. Syed mit Atemmaske und Schutzbrille inmitten einer Staubwolke Marmor bearbeitet. So etwas geht hier. „Es war eine gute Zeit, wir haben Spuren hinterlassen, waren Hotspot und Anlaufpunkt. Es entstand viel Nähe der Künstler zueinander, man half und beriet sich - ein gewachsenes System“, beschreibt Katja M. Schneider die Nestwärme, die verloren geht.

„Schlecht für Offenbach“

Mit Ruth Luxenhofer ist sie einer Meinung: „Es ist schlecht für Offenbach, dass die Mato-Kunstfabrik dichtmacht. Eine zukunftsorientierte Lösung sollte gefunden werden. Wir wissen, dass die Stadt kein Geld hat, appellieren aber, uns eine neue Situation zu ermöglichen, die uns weiter in Offenbach verortet.“ Sie stellen sich die Frage, ob die Stadt überhaupt ein Interesse hat, die Künstler zu halten. Darauf geben am Wochenende unter anderem folgende Mato-Künstler ihre eigenen Antworten: Heide Khatschaturian, Robert Mondani, Angelika Prinz, Verena Lettmayer, Cornelia Krauledat, Andrea Simon, Regina Schnersch, Charlotte Malcolm-Smith, Alwin Dorok und Jos Diegel.

„Offene Ateliers 2013“ am 16. und 17. November in der Mato-Kunstfabrik, Offenbach, Bieberer Straße 215-217. Geöffnet von 15-20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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