Bitterkeit des Lebens

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Der moderne Alltag gleicht in Stefan Stichlers gegenständlichen Malereien einer Kampfzone.

Offenbach - Von außen weiß und eckig; von innen ein farb- und symbolgewaltiges 360-Grad-Stillleben – begehbar, vorausgesetzt der Besucher traut sich hinein, nachdem er den Werkstitel „Selbstverbrennungsanlage“ zur Kenntnis genommen hat. Von Anke Steinfadt

Der Kubus steht im Mittelpunkt von „Affected by the Combatzone“ in der Heyne Kunst Fabrik. Es ist die erste große Einzelausstellung von Stefan Stichler, der einst in Offenbach, inzwischen in Frankfurt das Atelier daseins betreibt. Gezeigt werden Werke aus der Schaffenszeit von 2005 bis 2012.

Maskierte Menschen bevölkern die surrealen Kompositionen.

„Was bedeutet dir Utopie?“, „Kannst du dich spüren?“, „Was empört dich?“: Fragen, die der Künstler an den Innenwänden der „Selbstverbrennungsanlage“ notiert hat. Für sich hat er sie so beantwortet: Der moderne Alltag ist gleichbedeutend mit dem Leben in einer Kampfzone. In Stichlers surrealen Bilderwelten ist das Menschsein sichtlich kein Spaß. Körper sind nur schemen- oder bruchstückhaft zu erkennen. Gesichter sind verwischt, mit Lumpen umwickelt oder hinter Gasmasken verborgen. Ist doch mal ein Gesicht vollständig zu erkennen, spiegelt sich darin alles andere als Lebensfreude wider.

Inhaltlich düster zeigen sich die großformatigen Ölgemälde und Collagen formal in satten Farben. Florale Muster und organische Elemente, die an Graffiti und Tattoos erinnern sind mit Gegenständlichem verwoben. Andere Motive wirkten durch grafischen Aufbau klar und aufgeräumt.

Verspieltheit, Struktur und Farben als Angebot

Verspieltheit, Struktur und Farben als Angebot, die Bitterkeit besser zu ertragen? Auf jeden Fall ein Stilmittel, die Bilder nicht im Depressiven erstarren zu lassen. Neben den Leitthemen wie Zwänge, Normen und Niederlagen geht es auch um Vergänglichkeit, die das menschliche Dasein zusätzlich belasten kann. „Die ganze Jugend“ zeigt das abstrakte Profil eines Gesichts, dass gelebte Zeit wie einen Zeitlupenstrahl hinter sich herzieht.

Zusätzlich zur Malerei beschäftigt sich Stefan Stichler mit der Herstellung von Objekten und Möbeln. Zum Beispiel „cube no. 3“, ein mit Acryllack bemalter Birkenholzcontainer, aus dem sich seitlich Sitzbänke herausziehen lassen. Den Umgang mit Holz hat der Autodidakt sich beim Bauen von Skateboard-Rampen erschlossen, als er noch aktiv der Skater- und Graffitiszene angehörte. Seine Arbeit als Künstler versteht er als „einen Ausbruchsversuch aus den alltäglichen Kampfzonen“ und als „Möglichkeit, ein Stück individuelle Freiheit zurückzuerobern“.

„Affected by the Combatzone“ bis 12. Juli in der Heyne Kunst Fabrik, Lilistraße 83d, Offenbach. Geöffnet: Donnerstag und Freitag 18-21 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefonnummer: 069/85708421.

Quelle: op-online.de

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