Vom Kultur- zum Kostenfaktor

Frankfurt - Weniger Personal, kürzere Öffnungszeiten, vielleicht sogar das Aus? Der hessische Museumsverband appelliert an die Kommunen, den Rotstift mit Augenmaß anzusetzen. „Sparmaßnahmen in den Museen sind ja nichts Neues. Von Caroline Eckenfels

Jetzt mit dem Rettungsschirm gibt es aber eine Situation, die den Museen richtig weh tut“, sagt Museumsberaterin Ulrike Adamek. „Geschlossen werden Museen immer sehr ungern, sie werden langsam ausgeblutet und es wird mit Schließung gedroht. “.

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Ungeliebte Kinder

In mehreren Städten und Gemeinden wird derzeit über Sparmaßnahmen für Museen diskutiert- und längst nicht nur in den Kommunen, die unter den Rettungsschirm des Landes geschlüpft sind. Der Verband nannte als Beispiele unter anderem das Rosenmuseum in Bad Nauheim, das Friedberger Wetterau-Museum oder Häuser in Schutzschirm-Kommunen wie Bad Arolsen, Rüsselsheim und Steinau an der Straße.

Steinau etwa plant, die Eintrittspreise für Brüder-Grimm-Haus und Museum Steinau „moderat“ zu erhöhen, wie Hauptamtsleiter Heinrich Müller berichtete. Zudem soll gespart werden, indem die Zahl der Sonderausstellungen reduziert wird. Aber: „Wir wollen nicht, dass die Museen in Gefahr sind.“ Unterstützung erhofft sich die Stadt demnach auch von Sponsoren.

Sponsoren sollen helfen

In Friedberg – die Kommune ist nicht unter den Schirm geschlüpft – get es um eine neue Brandmeldeanlage für das Wetterau-Museum. Eine Weile war nicht klar, ob sie bezahlt werden kann. Mittlerweile gibt es nach Angaben von Bürgermeister Michael Keller (SPD) zwar grünes Licht für die nötigen rund 55.000 Euro. Die Summe muss aber an anderer Stelle eingespart werden, wie die örtliche Presse auflistet.

Museumsberaterin Adamek findet, dass „Museen unverschuldet zu ungeliebten Kindern“ werden. „Das Fatale ist, dass Museen nicht mehr als Kulturträger, sondern als Kostenträger gesehen werden. Das bedingt auch, dass es oftmals keine Wertschätzung mehr vor Ort gegenüber den Institutionen und den Kollegen gibt.“

Für den hessischen Städte- und Gemeindebund sind Museen unverzichtbare Angebote in den Kommunen. „Ich halte es für wichtig, dass man Museen nicht als Kultur-, sondern als Bildungseinrichtung sieht“, sagt der geschäftsführende Direktor, Karl-Christian Schelzke. In der Spardebatte sieht er aber nicht allein die Städte und Gemeinden am Zug: „Es ist wichtig, dass Kommunen, Kommunalaufsicht und Land die Unterhaltung von Museen nicht nur als freiwillige Leistung sehen, Das impliziert, dass man sie schließen kann.“ Er sage zwar nicht, dass jedes Haus geöffnet bleiben müsse: „Aber die Schließung kann nur die Ultima Ratio sein, es müssen wirklich alle Möglichkeiten geprüft werden, es zu erhalten.“

Großer finanzieller Druck

In Bad Nauheim sucht man in Arbeitsgruppen nach Lösungen für das Rosenmuseum im Stadtteil Steinfurth. „Die Diskussion ist aufgekommen, weil der finanzielle Druck groß geworden ist“, sagt Bürgermeister Armin Häuser (CDU). Die Stadt ist nicht unter dem Rettungsschirm plagt sich aber mit einem Defizit – da sind jährlich 320.000 Euro fürs Museum viel Geld.

Das 2011 eröffnete Bad Hersfelder Mitmach-Museum „wortreich“ hat sich überhaupt nicht so entwickelt wie geplant. Es sollte eines der neuen Aushängeschilder sein. Bisher gab es jedoch Ärger, Enttäuschungen, Führungsquerelen und ein sattes Defizit. Positive Zahlen erwartet Bürgermeister Thomas Fehling (FDP): „Ich glaube nicht, dass das Museum künftig kostendeckend betrieben werden kann.“ 

dpa

Quelle: op-online.de

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