Kulturen reichen sich die Hände

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„Ach ich liebte, war so glücklich“ ist über der Bühne eingeblendet, als Konstanze ihre Arie singt. Doch ihre Worte klingen eigenartig fremd. Die Oper Frankfurt hat ein bislang einmaliges Experiment gewagt Von Christian Rupp

Sie präsentierte Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ in türkischsprachiger Bearbeitung. Die Aufführung hat mit üblichen Premieren nichts gemeinsam. Ungezwungen geht es zu. Das Publikum ist bunt gemischt. Im Foyer wird hier und dort Deutsch gesprochen, doch die meisten Besucher sind Türken. Vor allem an sie richtet sich diese Sondervorstellung: Mehr als 30.000 Frankfurter haben die türkische Staatsangehörigkeit.

Und um diese Gruppe für die Oper zu begeistern, hat das Haus den Klassiker umgearbeitet. Die Sprechrolle des Bassa Selim übernimmt der in Istanbul geborene Schauspieler Mazlum Kiper; die türkische Sopranistin Cigdem Soyerslan singt die Konstanze; ein Sprecher fasst die Handlung des auf 90 Minuten gekürzten Werks zusammen – auf Türkisch. Zweisprachige Übertitel helfen, Verständnishürden zu nehmen. Wird auf Deutsch gesungen, sind sie auf Türkisch und umgekehrt. Ein Handschlag der Kulturen.

Beitrag zur Integrationsdebatte leisten

„Wir wollen damit einen Beitrag zur gerade geführten Integrationsdebatte leisten“, sagt Opernintendant Bernd Loebe. Es gehöre zum Selbstverständnis des Hauses, sich als zentrales Kulturinstitut der Stadt mit den aktuellen Themen der Gegenwart auseinanderzusetzen.

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Das Publikum zeigt sich begeistert und feiert die Produktion, die auf einer Inszenierung aus dem Jahr 2003 basiert, mit Ovationen. Dass sich gerade die „Entführung aus dem Serail“ für ein solches Projekt anbietet, vermag einzuleuchten, denn Mozart beschreibt in seiner Oper aus dem Jahr 1782 das Aufeinandertreffen von westlicher und orientalischer Kultur.

Doch es ist nur ein Ausschnitt der deutschen und türkischen Kultur, die sich an diesem Samstagnachmittag im Opernhaus begegnet: Denn den Döner-Verkäufer aus dem benachbarten Bahnhofsviertel findet man dort nicht. „Oper ist auch in der Türkei eben immer noch für die Oberschicht“, weiß der türkische Kulturmanager und Schauspieler Baki Kiper, der in der Produktion die Rolle des Erzählers übernommen hat. Und daran ändert ein solches Projekt kaum etwas.

Quelle: op-online.de

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