Frankfurter Buchmesse

Kommentar: Kulturgut im Google-Griff

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Offenbach-Post, Carsten Müller 

Über mangelnden Aufmerksamkeitswert können sich die Verantwortlichen der Frankfurter Buchmesse nicht beklagen. Das Gastland China sorgte schon vor der offiziellen Eröffnung für komplizierteste diplomatische Verrenkungen. Von Carsten Müller

Und nichts weniger als die eigene Existenz steht auf dem Spiel, wenn das Kulturgut Buch schutzlos dem Internet ausgeliefert wird.

Bislang distanziert betrachtet, wenn nicht gar hochmütig belächelt, stellen sogenannte E-Books gewohnte Geschäftsprinzipien in Frage. Ein ähnliches Schicksal wie den Musikverlagen, denen illegale Tauschbörsen vor Jahren beinahe den Garaus gemacht hätten, droht der Branche zwar nicht, die verlegerische Tätigkeit aber wird sich verändern müssen. E-Books ersetzen das gebundene Buch zwar nicht, aber sie ergänzen es um eine nicht unbedeutende Facette.

Konkurrenz aus dem Internet droht auch durch die flächendeckende Digitalisierung von Bibliotheksbeständen im Auftrag des US-Unternehmens Google. Der vor Gericht erbittert geführte Streit soll den Verlagen nicht nur lukrative Urheberrechte sichern, sondern auch ein Kulturgut vor privatem Zugriff schützen. Dem demokratisierten Zugang zum Wissen stehen die Gefahren eines privaten Informationsmonopols gegenüber. Willkommen im globalisierten Markt!

Und damit wären wir beim Gastland China angekommen, dessen Auftritt im Zeichen einer faszinierenden Kultur, aber auch von Menschenrechtsverletzungen steht. Dort findet eine Zensur selbst im eigentlich schrankenlosen Internet statt. Nach dem Eklat um ausgeladene Regime-Kritiker zum Auftakt des Messe-Reigens hat das Reich der Mitte nun die Chance, vor den Augen der literarischen Welt den Willen zur Öffnung zu dokumentieren. Ob diesem frommen Wunsch Taten folgen? Lassen wir uns überraschen ...

Quelle: op-online.de

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