EZB-Kulturtage stellen Lettland vor

Legendäre Chorkultur

Frankfurt - Im Land der Sänger und Gesänge sollte die Kriminalitätsrate niedrig sein. Denn böse Menschen haben bekanntlich keine Lieder. Von Klaus Ackermann

Aus dem großen Fundus lettischen Musikguts schöpften das Lettische Nationale Symphonieorchester und der Staatschor „Latvija“ beim Eröffnungskonzert der Kulturtage von Europas Zentralbank in Frankfurts Alter Oper. Schoss die junge, international renommierte Geigerin Baiba Skride im Instrumentalteil den Vogel ab, so offenbarte „Latvija“ in folkloristisch getönten Sätzen lettischer Komponisten außerordentliche Chorkultur.

Lettland wird 2014 das 18. Mitglied der europäischen Währungsunion. Grund genug also, um einen intensiven Blick auf die Musikkultur des baltischen Staates zu werfen. Wie mit dem Weichstift gezogen schon der Auftakt des dreistündigen Konzerts, Emil Darzins „Melancholischer Walzer“. Romantik in Reinkultur - und vom Orchester so stimmungsvoll wie delikat angerichtet, das der Rigaer Ainar Rubikis gefühlvoll eingestimmt hat.

Ein geheimnisvolles spätromantisches Nachbeben sind die drei Stücke aus der Sinfonischen Suite „Der Blumenkranz“ von Peteris Barisons (1904-1921), Anklänge an die Musik des Fernen Ostens, von Richard Wagners Chroma harmonisch unterfüttert. Volkslieder des Landes befördern den konzertanten Dialog mit dem Klavier in Barisons’ „Lettischer Rhapsodie“, die dem Pianisten Reinis Zarins viel Raum für virtuose Eskapaden lässt, ein Name, den man sich merken wird.

Profi-Chor als Ohrenweide

Wohl bekannt dagegen Baiba Skride, die mit Camille Saint-Saëns’ (1835-1921) „Introduction et Rondo capriccioso“ Bravos im Großen Saal initiiert. Die Zugabe ist ein lettisches Tanzlied, rotzfrech gespielt. Nach Richard Wagners wenig inspiriert gestalteter Ouvertüre zur Oper „Rienzi“ (während seiner Kapellmeisterzeit in Riga entstanden), dann der Chor in klanglicher Großaufnahme. Scheint Jazeps Vitols (1863-1948) „Birke im Herbst“ in eigentümlicher Schwebe, so hat beim „Liebeslied“ mit seinem ostinaten Unterbau Carl Orff Pate gestanden. Eine Ohrenweide ist der stimmlich ausgewogene Profi-Chor, auch beim vom Zeitgenossen Aldonis Kalnins illuster arrangierten Volkslied „Der Zauber des Silberregens“.

Wie von Sphärenklängen umgeben muten Eriks Esenvalds’ (geb. 1977) „Sterne“ an, ein Satz, der Chorklang mit den vielfältigen Tönen gestimmter Wassergläser vermischt. Einmal mehr bruchlos-reiner Chor-Samt, nahezu vibratolos gesungen und dynamisch zwingend aufbereitet. Auch im erhabenen Finale, dem „Te Deum“ für Chor, Orgel und Orchester von Rihards Dubra (geb. 1964). Ein vielschichtiges „Lob des Herrn“, bei dem Dirigent Rubikis für hohes dramatisches Drehmoment sorgt - bis hin zum vollen Orgelwerk (Aigars Reinis). Halleluja!

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild vom Deutschen Chorfest 2012: dpa

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